Mit drei Teufeln im Bunde

Antwerpen, Haydn: Die Schöpfung

Opernwelt - Logo

Zum Haydn-Jahr zwar keine richtige Haydn-Oper, dafür aber ein inszeniertes Oratorium: «Die Schöpfung», grandioses Musikwerk über die Erschaffung der Welt in sieben Tagen, vom «Chaos» des Beginns bis zum Eintritt des ersten Menschenpaares ins Paradies, erfuhr an der Vlaamse Opera zusätzlich zur konzertanten Aufführung eine gleichsam «teuflische» Komponente.

Noch bevor die Musiker des Symfonisch Orkest van de Vlaamse Opera, die Chorsänger und Solisten das Podium betreten, lümmeln sich drei Teufel zwischen den noch unbesetzten Stühlen herum und räsonieren weitschweifig über ihre Lage in der finsteren Unterwelt, die offenbar schon vor der Erschaffung der besseren Welt existierte. Unter den dreien – man spricht abwechselnd Englisch, Flämisch und Deutsch – ragt die wahrhaft diabolische Gestalt des Graham Valentine hervor: Mit rollendem und gurgelndem Englisch, mit der wildfliegenden roten Mähne und der hohen, schlaksig-spillerigen Figur präsentiert der Marthaler-Akteur einen Bilderbuch-Teufel. Die Texte der drei «Duivel» (flämisch) filterten Regisseur Stephan Müller und Dramaturgin Ute Haferburg aus John Miltons «Paradise Lost», es entsteht beinahe so etwas wie eine Sprechpartitur, die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2009
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Gerhard Rohde

Vergriffen
Weitere Beiträge
Herbstfarben

Der Starkult, den die Klassikindustrie seit Jahren immer unbedenklicher pflegt, kreist vor allem um Glanz und Glamour. Für Sängerinnen bedeutet dies: Nur wer sich im Model-Look vermarkten lässt, nur wer im Fernsehen oder in der Werbung auftaucht, spielt ganz oben mit. Doch wo viel Licht (und noch mehr Geld) ist, gibt es bekanntlich auch viel Schatten. Die zur...

Pop im Puppenhaus

Clemens Brentanos Geschichte vom bösen Königssohn Jerum, der guten Hexe Fanferlieschen Schönefüßchen und allerlei buntem Volk, das auf lustige Namen wie Würgipumpa, Fräulein von Ziegesaar, Pumpilirio Holzebocke oder Herr Neuntöter hört, ist eine vertrackte, vielfach verzweigte Geschichte. Alle hängen mit allem zusammen. Wer das komplexe Beziehungsnetz begreifen...

Tödliches Schweigen

Der belgische Komponist Philipp Boesmans (Jahrgang 1936) hält unerschütterlich an der traditionellen Literaturoper fest. Raumklang, Klangtheater, Hör-Stücke, womit viele aktuelle Komponisten bevorzugt experimentieren, interessieren Boesmans nicht. Er braucht ein gutes Theaterstück, aus dem sich ein operngerechtes Libretto herstellen lässt. Solche Stücke hießen bei...