Mit den Songs kamen die Tränen

Die Oper Halle würdigt mit «Viktoria und ihr Husar» den König der Jazz-Operette Paul Abraham. Eine Biografie wirft einen schonungs­losen Blick auf sein Leben

Abschiede sind schwer, sie tun in der Seele weh, manchmal sind sie sogar unaushaltbar, weil man weiß: Es wird endgültig sein, auf immer. Trost spendet in solchen Fällen nicht einmal der Himmel. Es sei denn, er hängt voller Geigen. Wie im vorliegenden Fall, einem Duett, dem nur derjenige widerstehen kann, der sich sein Herz ausgerissen oder es zugemauert hat.

Eine göttliche Musik ist das, sentimental bis zur Tränengrenze, aber so tröstend, dass man sie überall mit hinnehmen möchte: «Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände», singt das hohe Paar, schaut sich dabei tief und die Augen und weiß selbst vermutlich gar nicht mehr, wohin mit all den Gefühlen.

Der Zwiegesang der beiden «Königskinder», die zusammen eigentlich nicht kommen können, es am Ende aber dennoch tun, zählt zu den berühmtesten Schlagern in Paul Abrahams Operette «Viktoria und ihr Husar». Ein Liebeswalzer, wie er typisch war für den Komponisten, voller Herzschmerz, Sehnsucht und schluchzender Melodik. Ende der 1920er-Jahre, die Depression bemächtigte sich Deutschlands mehr und mehr, kam so etwas gut an.

Zugleich aber lag in den Zeilen eine Prophetie, die ihre Schöpfer, die Librettisten Fritz Löhner-Beda und Alfred ...

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Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Jürgen Otten

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