Messerscharf

Reimann: Medea
Essen | Aalto-Musiktheater

Opernwelt - Logo

Am Ende, als die Kinder erdolcht sind, das Feuer erloschen, steht sie wieder alleine da: die Ausgestoßene. Selten war das Schwarz der Hinterbühne so erbarmungslos und leer wie in den letzten Takten dieser «Medea» am Essener Aalto-Theater: «Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.»

Die antike Sage erzählt von der Flucht Jasons und Medeas, des griechischen Helden und seiner Geliebten, der Zauberin aus Kolchis. Sie sollen Pelias, den Onkel Jasons, ermordet und das goldene Vlies geraubt haben und werden seither durch die Lande gejagt.

Aribert Reimanns Oper beginnt wie das Drama Grillparzers vor den Toren Korinths, wo die Flüchtenden Hilfe erhoffen. Jason und die Kinder werden aufgenommen, Medea ist als Fremde unerwünscht. Ihre Rache wird blutig.

In Kay Links Inszenierung herrscht König Kreon in einem futuristischen Bau, der locker einen Designpreis gewinnen würde. Bühnen- und Kostümbildner Frank Albert hat das grau verschalte Vieleck auf kühle Betonmauern gestellt. Etliche Treppen führen hinunter, von denen die Bewohner hochmütig auf Ankömmlinge herabblicken.

Herrscher Kreon erinnert mit seiner weißblonden Mähne, dem adelsblauen Mantel mit Pelzkragen an Thomas Gottschalk. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Thilo Braun

Weitere Beiträge
Fetzen, Funken, Fettnäpfchen

Man muss sich die Szene nicht vorstellen, um zu wissen, wie viel Pfeffer auf den Tellern lag – die Namen der Beteiligten genügen: Joachim Kaiser, Marcel Reich-Ranicki, beide Träger des Ludwig-Börne-Preises, in ihrer Mitte, moderierend, August Everding. Drei verblichene Titanen des Kulturbetriebs, versammelt auf einer Bühne im beschaulichen Garmisch-Partenkirchen....

Die Liebe, das Meer und der Tod

Hector Berlioz’ Liederzyklus «Les Nuits d’été» ist seit jeher eine Domäne der Frauenstimmen. Aufnahmen von Sängern sind äußerst selten. Das ist erstaunlich, weil in den Rollengedichten Théophile Gautiers stets ein männliches Ich spricht. Berlioz selbst schlug eine Aufteilung auf vier Stimmlagen – Mezzosopran, Alt, Tenor und Bariton – vor, der aber nur Colin Davis...

Ausgezeichnet

Man sieht es und staunt: Keine Männer in Doppelripp oder Uniform, keine Vergewaltigung, kein Blut. Und auch keinerlei Ersatz mehr für den Sonntagabend-«Tatort». Dabei könnte Alexander Zemlinskys oft autobiografisch gedeuteter «Zwerg» – der Komponist war extrem klein und galt als hässlich – die erschütterndsten Metaphern liefern, etwa für die Ausgrenzung von...