Mehr Oratorium als Oper
Nach der Brüsseler Uraufführung im Jahr 1991 ist John Adams’ zweite Oper «The Death of Klinghoffer» nur selten auf die Bühne gekommen. Im Vereinigten Königreich folgte auf eine konzertante Londoner Aufführung im Jahr 2002 nur noch eine Produktion der Scottish Opera, die 2005 beim Edinburgh Festival gezeigt wurde. Erst jetzt, fast einundzwanzig Jahre nach der Uraufführung, wurde die Oper auch in London szenisch realisiert.
Die Voraussage, es könne neuerlich zu Protesten kommen, hat sich nicht bestätigt; lediglich ein einsamer Demonstrant hatte sich zur Premiere mit einem Plakat vor dem Londoner Coliseum eingefunden, eifrig gefilmt von Kamerateams gleich mehrerer TV-Sender.
Zwei Jahrzehnte, nachdem die Debatten um «The Death of Klinghoffer» entbrannten, schien die von Tom Morris eindrücklich in Szene gesetzte und dem auf Musik der Gegenwart spezialisierten Dirigenten Baldur Brönnimann adäquat geleitete Neuproduktion vor allem eines zu beweisen: dass die Problematik der Oper langfristig eher ästhetischer denn politischer Natur sein dürfte. Denn der Terrormord an dem im Rollstuhl sitzenden jüdisch-amerikanischen Touristen – die Tat markiert im Grunde die einzige Aktion auf der Bühne – ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Panorama, Seite 41
von George Hall
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