Mehr als eine Sängeroper
Wer ist die Hauptperson in Giacomo Meyerbeers 1865 an der Pariser Opéra posthum aufgeführter Oper: Vasco da Gama, der portugiesische Eroberer und Entdecker des Seewegs nach Indien, oder seine von ihm verlassene farbige Geliebte Sélika? Auf diese für das Verständnis des Werkes entscheidende Frage geben die textlichen und musikalischen Quellen keine eindeutige Antwort.
Zwar hatte Meyerbeer jahrelang an einer Oper gearbeitet, die von der unglücklichen Liebe einer afrikanischen Königin zu einem portugiesischen Seefahrer handelte und die den Titel «Die Afrikanerin» («L’Africaine») erhalten sollte. Dann aber kam er selbst auf die Idee, den historischen Vasco da Gama (französisch: Vasco de Gama) zum neuen Protagonisten und Titelträger seiner Oper zu machen. Damit weitete sich das Seelendrama zum Historiendrama, freilich ohne dass die Gewichtung von Privatem und Politischem dramaturgisch wie musikalisch bereits eindeutig erfolgt wäre. Dies zu bewerkstelligen hatte sich Meyerbeer für die Proben vorgenommen, jedoch starb er bereits vor deren Beginn. Der Nachwelt hat er somit ein Werk hinterlassen, das zwar vollständig komponiert, aber konzeptionell unfertig ist. Hätte Meyerbeer – wie bei ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Sieghart Döhring
«Der König tanzt» («Le Roi danse») – Gérard Corbiaus Film über das Musikleben im Versailles Ludwigs XIV. rückt mit größter Selbstverständlichkeit das Ballett ins Zentrum. Ludwigs politischer Kontrahent, der Habsburger Leopold I., war ein schlechterer Tänzer, aber ein besserer Musiker als der Franzose: Er spielte Cembalo und Geige und komponierte selbst, vor allem...
Er war Lieblingsschüler und Freund Franz Liszts und ein zu seiner Zeit in mehreren Genres erfolgreicher Komponist; heute ist er aus dem Opern- und Konzert-Repertoire vollständig verschwunden: Anton Urspruch (1850-1907), dessen Werk man mit dem Etikett «spätromantisch» nicht ganz gerecht wird. Seine komische Oper «Das Unmöglichste von Allem», 1897 unter Felix Mottls...
Seit vielen Jahren wird Verdis «Maskenball» vor allem als «politisches» Stück inszeniert. Doch dass in der (von der Zensur kassierten) Urfassung des Librettos der Schwedenkönig Gustav III. ermordet wird, ist für die Handlung eigentlich ohne Belang. In Dresden griff man nun auf die Fassung der Uraufführung (Rom, 1859) zurück, die das Geschehen nach Amerika verlegt....
