Mehr als eine Sängeroper

Sieghart Döhring über die Premiere von Meyerbeers «L’Africaine» am Mainfrankentheater Würzburg

Opernwelt - Logo

Wer ist die Hauptperson in Giacomo Meyerbeers 1865 an der Pariser Opéra posthum aufgeführter Oper: Vasco da Gama, der portugiesische Eroberer und Entdecker des Seewegs nach Indien, oder seine von ihm verlassene farbige Geliebte Sélika? Auf diese für das Verständnis des Werkes entscheidende Frage geben die textlichen und musikalischen Quellen keine eindeutige Antwort.

Zwar hatte Meyerbeer jahrelang an einer Oper gearbeitet, die von der unglücklichen Liebe einer afrikanischen Königin zu einem portugiesischen Seefahrer handelte und die den Titel «Die Afrikanerin» («L’Africaine») erhalten sollte. Dann aber kam er selbst auf die Idee, den historischen Vasco da Gama (französisch: Vasco de Gama) zum neuen Protagonisten und Titelträger seiner Oper zu machen. Damit weitete sich das Seelendrama zum Historiendrama, freilich ohne dass die Gewichtung von Privatem und Politischem dramaturgisch wie musikalisch bereits eindeutig erfolgt wäre. Dies zu bewerkstelligen hatte sich Meyerbeer für die Proben vorgenommen, jedoch starb er bereits vor deren Beginn. Der Nachwelt hat er somit ein Werk hinterlassen, das zwar vollständig komponiert, aber konzeptionell unfertig ist. Hätte Meyerbeer – wie bei ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Sieghart Döhring

Weitere Beiträge
Auch Körper können lügen

Seit vielen Jahren wird Verdis «Maskenball» vor allem als «politisches» Stück inszeniert. Doch dass in der (von der Zensur kassierten) Urfassung des Librettos der Schwedenkönig Gustav III. ermordet wird, ist für die Handlung eigentlich ohne Belang. In Dresden griff man nun auf die Fassung der Uraufführung (Rom, 1859) zurück, die das Geschehen nach Amerika verlegt....

Harte Zeiten

Die Fans kamen zu Tausenden, wie jedes Jahr. Mehr als die Hälfte reiste aus dem Ausland an; bis nach Japan oder Neuseeland ist der Lockruf des Rossini Opera Festivals in Pesaro inzwischen vorgedrungen. Und doch stand die 32. Saison in der Geburtsstadt des Komponisten unter keinem guten Stern. Im Zuge politisch erzwungener Sparauflagen waren die Künstlergagen um 30...

Quereinsteiger

Zwei Jahre ist es her, dass Salvatore Licitra in einem Gespräch mit der Berliner «B.Z.» auf seine Leidenschaft für Motorräder angesprochen und gefragt wurde, ob er keine Angst vor einem Unfall habe. «Schon, aber was passieren soll», erwiderte er, «passiert. Ich genieße mein Leben.» Am 27. August erlitt er in der Nähe von Ragusa während einer Fahrt mit einem...