Mann in der Bar
Uraufgeführt wurde Terence Blanchards Oper «Champion» 2013 im (mit 987 Plätzen mittelgroßen) Opernhaus von St. Louis. Nun, nach dem Erfolg von Blanchards «Fire Shut Up in My Bones», kam das Stück in einer «überdimensionalen» Version auf die Bühne der Met. Damit ist der Jazztrompeter und Filmmusikkomponist der erste Schwarze, von dem überhaupt eine Oper an der Met gegeben wird – und der dort mit gleich zwei Musiktheaterarbeiten vertreten ist.
Die visuell spektakuläre Inszenierung von James Robinson überdeckt leider die dem Stück mit seinem speziellen Sujet eingeschriebene Intimität. Anscheinend schielt die Leitung des Hauses auf eine aufsehenerregende Ästhetik, um das HD-Publikum bei Laune zu halten. Wie schon in «Fire Shut Up in My Bones» übertanzen die Bewegungssolisten in Camille A. Browns energiegeladen-knalliger Choreografie die Erzählung. Eine der Nummern, sie spielt auf den Jungferninseln, wirkt in ihrem «orientalischen» Exotismus so «touristisch» wie eine Balletteinlage im Rahmen der Aufführung einer Grand Operá Mitte des 19. Jahrhunderts.
Natürlich könnte die (auf wahren Begebenheiten beruhende) Geschichte des bisexuellen Boxers Emile Griffith, der als diskriminiertes ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Panorama, Seite 51
von David Shengold
Durchs Hagener Theater weht ein leiser Hauch von Buenos Aires. Ein Akkordeon ist es, mit einer wehmütigen Melodie, die auch von Astor Piazzolla stammen könnte. Komponiert hat sie aber Péter Eötvös für seine Tschechow-Oper «Tri sestry», als Inbegriff jener Melancholie, die schon im zugrundeliegenden Theaterstück fast alle Personen ergreift, von Beginn an. Tschechows...
Das ultimative Idyll, vielleicht ist es auch nur eine Utopie, begegnet uns schon in Nummer zwei. «Es ruht so wohl, es ruht so warm», dichtete Eduard von Bauernfeld, von Franz Schubert in «Der Vater mit dem Kind» als klangliches Andachtsbild festgehalten. Und dass diese Minuten völlig kitschfrei gesungen werden, voller Wärme, inniglich und echt, vielleicht auch aus...
Hätte irgendeine Art von Schöpfer auf Bazon Brock gehört, der Tod wäre längst abgeschafft. Doch dann gäbe es auch Claudio Monteverdis «L’Orfeo» nicht. Die berühmte Favola in Musica von 1607, die vom Leuchten und vom Leid des großen Sängermenschen und Menschensängers Orfeo in derart schönen, schmerzvollen Tönen erzählt, dass man ihr Fehlen – gäbe es sie nicht – als...
