Mal ehrlich April 2018
Mit schöner Regelmäßigkeit beschwert sich mein Freund Gwynne, ein walisischer Bass Ende 70, bei mir darüber, dass man ihm an Covent Garden nie eine würdige Abschiedsparty geschmissen hat. Gut 40 Jahre lang stand er dort auf der Bühne, in kleinen wie in großen Rollen. Seinen letzten Auftritt hatte er mit «Gianni Schicchi» in einer Schulmatinee. Mein Freund rechnete mit einer Zeremonie, hoffte gar auf eine Medaille oder eine schöne Armbanduhr. Nichts!
Empörend? Dachte ich auch. Dann kam mir ein Verdacht.
«Sag mal, hast du denen überhaupt gesagt, dass du in Rente gehen willst?», hakte ich nach. «Nicht so direkt», erklärte er. «Ich singe doch noch sehr ordentlich, die sollen mich nicht schon abschreiben. Vielleicht fragt man mich ja noch mal als Dottore in der ‹Traviata› an, oder so.»
«Da hast du das Problem», erwiderte ich. «Wenn du keine klare Ansage machst, müssen sie davon ausgehen, dass du weitersingst. Denn wie würdest du dich fühlen, wenn das künstlerische Betriebsbüro über deinen Kopf hinweg entschieden hätte? Nach dem Motto: Hey Gwynne, das war deine letzte Vorstellung bei uns, irgendwann muss mal Schluss sein. Hier ist eine schmucke Kastenuhr für dich – und jetzt ab in ...
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Opernwelt April 2018
Rubrik: Aus dem Leben eines Taugenichts, Seite 73
von Christopher Gillett
JUBILARE
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