Männerwirtschaft
Rolando Villazón ist ein Garant für Gesprächsstoff. Den hat er weit vor seinem Regie-Beginn den Düsseldorfern auch geliefert. Mit einem stadtweiten Aufruf, Kleider (gerne auch Lackstiefel für beide Geschlechter) und Accessoires aus den 1970ern abzugeben!
Alles beginnt in einem verstaubten Atelier, eher 19. als 20. Jahrhundert. Alte Schinken auf Staffeleien: Mona Lisa, die Venus (nackt, liegend, sitzend) sowie Delacroix’ barbusige Revolutionsallegorie, die mit der Tricolore wedelnd über Leichen stürmt.
Männerfantasien! Kunstmäzen Don Pasquale, in rotbraunem Samtanzug, hat zwar Rückenprobleme, greift sich immer wieder schmerzvoll ans Gesäß, will aber jung heiraten. Dottore Malatesta, eine Mischung aus Harry Potter und David Lynch, ist mit Pillen, Fieberthermometer und virtuos gehandhabtem Stethoskop behilflich. Doch in die attraktive Witwe Norina hat sich Don Pasquales Neffe verguckt. Beide sind arm, deswegen können sie nicht heiraten. Also muss der Doktor, damit Ernesto erbt, den guten Pasquale auch von seinen Eheplänen kurieren. Und bevor die nötige Intrige einer höllischen Scheinehe greift, muss Ernesto schön leiden. Der junge Rumäne Ioan Hotea macht seine Sache gut, verfügt aber ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Sabine Weber
Die «Generation Praktikum» hat längst die Opernhäuser erreicht. Früher war das anders, da wurde man einfach ins Wasser geworfen: Adelina Patti war bei ihrem Bühnendebüt gerade mal 16, Lilli Lehmann nur ein Jahr älter, Anna von Mildenburg und Astrid Varnay standen mit 23 erstmals auf den Brettern, beide in der «Walküre» – Mildenburg 1895 als Brünnhilde in Hamburg...
Wenn, wie in Köln, ein Opernhaus saniert wird und Schlamperei am Bau und endlose Rechtsstreitigkeiten die armen Opernschaffenden dazu zwingen, ewig und drei Tage an (meist ungeeigneten) Ausweichspielstätten zu produzieren, verschieben sich ganz unterschwellig die Maßstäbe für eine gute Aufführung. Dann entscheiden nicht mehr in erster Linie die Brillanz eines...
Wie klingt es, wenn jemand zur Salzsäure erstarrt? Wie tönt es, wenn Sodom und Gomorrha in Schutt und Asche gelegt werden? Antworten gibt der italienische Komponist Giorgio Battistelli in seiner neuesten Oper «Lot», die jetzt mit zweijähriger Verspätung in Hannover uraufgeführt wurde.
Dass die erste Frage dann doch offen bleibt, liegt an der Librettistin Jenny...
