Liebesbande
Im Gebälk blitzt es. Die Götter machen Radau, fordern Aufmerksamkeit. Immerhin haben sie gerade die schöne Galathea von einer Elfenbeinstatue in eine Dame aus Fleisch und Blut verwandelt. Es ist dies die Schlüsselszene in Gaetano Donizettis Opernerstling «Il Pigmalione». In Duisburg misslingt sie leider. Denn schon von Beginn an spaziert Galathea (schillernd: Lavinia Dames), Liebesideal ihres Schöpfers Pygmalion, quicklebendig über die Bühne.
Und mit ihr sämtliche sonstige Figuren in der Werkstatt des Bildhauers, die da pausenlos zwischen antikisierten Säulen und wallenden Vorhängen (Bühne: Leif-Erik Heine) umherirren.
Das Werk ist einer von zwei Einaktern, die im Rahmen von «Young Director», einer Plattform für Nachwuchsregisseure, an der Deutschen Oper am Rhein gespielt werden. Volker Böhm fehlen die Einfälle, das (zugegebenermaßen schmalspurige) Sujet zu beleben. Durch Lichteffekte und Rauchmaschinerie einerseits, allerlei romantisierendes Gerümpel (regnende Rosen und Kerzenlicht) andererseits versucht er diesen Mangel zu überpinseln. Das Resultat: Seifenopernfeeling. Immerhin beeindruckt Ovidiu Purcel in der Titelpartie mit einer auf Hochglanz polierten Belcantostimme, führt ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Thilo Braun
Seit über 100 Jahren bilden Leoncavallos «Pagliacci» und Mascagnis «Cavalleria rusticana« auf der Opernbühne eine Schicksalsgemeinschaft, so selbstverständlich, dass selten mal jemand darüber nachdenkt, ob das überhaupt stimmig ist. Leipzigs Chefdramaturg Christian Geltinger tat es nun – und kam zu dem überraschend naheliegenden Schluss, dass sich beide Stücke...
Über manches darf man sich bei dieser «Carmen» im Stadttheater Bern wundern. Über die Herren im Anzug zum Beispiel, die im ersten Rang dreist auf der Treppe ganz am Rand Platz nehmen. Nun, es sind Choristen, die aus dem Zuschauerraum heraus agieren. So wie José, der als artiger Premierenbesucher vorn im Parkett sitzt und sich – nachdem ihm Carmen nicht eine Blume,...
Herr Kowaljow, Sie haben als Mechaniker und bei der Feuerwehr gearbeitet, sind auch Soldat gewesen. Sind Sie rein zufällig professioneller Sänger geworden?
Es kam zunächst für mich überhaupt nicht in Frage. Von 1987 bis 1989, also noch zu Sowjetzeiten, diente ich für die Rote Armee am Nordpol und hatte das Kommando über 34 Soldaten. Eigentlich wollte ich meine...
