Liebe, Tod und Liebestod
Eine Woche vorher, und alles wäre buchstäblich ins Wasser gefallen. Da brachten Tageszeitungen sogar in Deutschland Fotos von jungen Menschen, die vor dem Campanile planschten: der Markusplatz, ein cooler Pool im November. Aqua alta, das Hochwasser hatte zugeschlagen in Venedig. Nicht ungewöhnlich eigentlich, aber doch eine schlechte Voraussetzung für Opernabende. Das Teatro La Fenice liegt an einem der tiefsten Punkte der Stadt. Wenn das Wasser kommt, kommt es dort zuerst. Nur wenige wollen wirklich zur Oper waten. Manchmal kommt das Hochwasser auch überraschend.
Noch nicht lange her, da wurde Edita Gruberova nach einem Gala-Abend auf den Schultern des Inspizienten in ihr Hotel getragen. Nun aber stieg nicht das Wasser, sondern der Pegel der Gefühle. La Fenice eröffnete das Verdi- und Wagner-Jahr mit zwei Premieren in drei Tagen. Otello und Tristan: zwei wilde Versuche über Liebe, Tod und Liebestod. Zwei Welten. So einen Doppelschlag hat nicht einmal die Scala in Mailand hingekriegt.
Venedig bietet sich dafür an. Zwar sind sich Verdi und Wagner nie begegnet, doch zur Serenissima hatten beide eine enge Beziehung. Verdis Rigoletto, Traviata und Simon Boccanegra wurden im Fenice ...
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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Reportage, Seite 48
von Stephan Mösch
Andernorts werden Theater geschlossen, Heidelberg eröffnet ein neues und besitzt mit dem großzügig sanierten Altbau aus dem 19. Jahrhundert sowie dem sachlich-kühlen Neubau mit 512 Sitzplätzen jetzt gleich zwei technisch hervorragend bestückte Räume, um die viele Kommunen die Universitätsstadt am Neckar beneiden werden. Besichtigt man das von den Darmstädter...
«Von Anfang an erwies sich seine Stimme als außerordentlich phonogen. Sie war lieblich wie eine Cremoneser Violine, konnte eine Melodielinie mit der ziehenden Melancholie einer Klarinette oder eines Cor anglais versehen. Sie konnte sich aufschwingen mit glockigem Schlag oder trompetenhaftem squillo-Klang. Mehr noch: Die Art, wie er sie gebrauchte, wirkt auch fünf...
«Geistliches Lied» klingt zu harmlos, auch Thomas Browns Lobgedicht auf Purcells Beiträge zu den beiden 1688 und 1693 erschienenen Bänden der Harmonia Sacra trifft es nicht ganz: «Sweetness combin’d with majesty, prepares / To raise devotion with inspiring airs». Die überaus kunstvollen Kompositionen stehen den Bühnenwerken und Oden an Expressivität in nichts nach,...
