Liebe auf den ersten Ton
In seinem Buch mit dem vielsagenden Titel «Demented: The world of the Opera Diva» (London, 1984) schreibt der amerikanische Theaterhistoriker Ethan Mordden: «Die bösartigste aller Fehden zwischen zwei Diven ist eine, zu der es nie gekommen ist: die zwischen Maria Callas und Renata Tebaldi.» So muss das Vorurteil, das der «voce d’angelo» der Tebaldi die psychologisierenden Ausdruckskunst der Gesangstragödin Callas gegenübergestellt, in einem Testimonial zum 100. Geburtstag am 1. Februar 2022 seinen Dauerparkplatz räumen.
Jener Beiname ist ein zur Reklameformel verkürzter Satz von Arturo Toscanini. Nach Jahren in den USA hatte er für das Konzert zur Wiedereröffnung des Teatro alla Scala am 11. Mai 1946 neben alten Weggefährten auch die 24-jährige Renata Tebaldi eingeladen. Sie sollte die Preghiera aus Rossinis «Mosè» und das Sopransolo aus Verdis «Quattro pezzi sacri» singen. Bei der Probe sagte Toscanini, das «Te Deum» solle so klingen, als schwebe eine Engelsstimme vom Himmel hernieder; um dieser Wirkung willen ließ er sie ein Gerüst erklimmen. Dafür, dass sie diesen Ehrentitel rechtfertigte, sprechen einige frühe Aufnahmen: die des dritten Verses der Preghiera aus «Mosè» wie die ...
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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Hommage, Seite 34
von Jürgen Kesting
Amüsiert erinnert man sich an eine Szene in Ken Russells Streifen «Lisztomania» (1975), in der Liszt-Darsteller Roger Daltrey die Brüste einer Frau «mechanisch» küsst, links, rechts, links, rechts – exakt zum Takt von Mälzels Metronom. Nicht nur in dieser frechen Szene schlüpfte der Frontman von The Who als Protagonist von Russells Film stimmig in die Schuhe des...
In einem von der Pariser Opéra Comique vorab verbreiteten Interview begründet der sympathisch enthusiastische Raphaël Pichon seine Wahl der dritten Fassung von «Hippolyte et Aricie», die 1757, ein Vierteljahrhundert nach der überbordend reichen Erstfassung auf die Bühne kam, mit deren meisterlicher Kohärenz. Sie sei die Version «la plus ramassée, la plus directe,...
Als es an deutschen Opernhäusern noch einen Repertoirebetrieb gab, in dem es üblich war, dass prominente Sängerinnen und Sänger nur an ein, zwei Abenden gastierten, da stellten sich manchmal – trotz kurzer Einweisungsproben – musikalische Sternstunden ein. Etwa wenn die Sopranistin Júlia Várady in den Achtzigern und Neunzigern in Hamburg in einer schon damals in...
