Leicht und frei muss es klingen
Eigentlich sollte sie schon im Auto nach Mailand sitzen. Am Opernstudio der Scala warteten bereits die nächsten Schützlinge. Junge Sängerinnen und Sänger, die sich nach dem Studium und ersten Schritten in die Berufspraxis von ihr den letzten Schliff für die Karriere erhoffen. Aber auf einen Sprung schaut Mirella Freni dann doch noch in ihrer eigenen Gesangsakademie am Rande des centro storico von Modena vorbei. Die 77-Jährige ist ein bisschen außer Atem, als sie die Räume des Centro Universale del Bel Canto (Cubec) betritt. Entschuldigt sich, dass sie wenig Zeit habe.
Und erzählt von der Familie: Eine Schwester ist kürzlich gestorben, der Mutter geht es schlecht. Vor acht Jahren verlor sie ihren zweiten Mann, Nicolai Ghiaurov, die große Liebe. Das Alter, die Schläge des Schicksals sieht man ihr nicht an. Das Leben geht eben weiter, es muss weitergehen. Schon weil sie vor zehn Jahren diese neue Aufgabe übernommen hat, die Belcanto-Schule in ihrer Heimatstadt. Obwohl sie nie unterrichten wollte. Bis heute gibt Mirella Freni höchst selten Meisterklassen. Nur die Stunden an der Scala. Aber die Arbeit für Cubec, das ist etwas anderes. Eine Herzenssache. Wie die Familie.
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Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Schwerpunkt, Seite 33
von Albrecht Thiemann
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