Lebensmüde

Fayt: Schwarzes Blut Erfurt / Theater

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Im Jahr 1925 nahm sich der französische Schriftsteller und Philosoph Georges Palante in der bretonischen Kleinstadt Saint-Brieuc das Leben. Ein spätes Nachbeben dieser Tat hat nun die Opernbühne erreicht. Bereits 1935 hatte Louis Guilloux seinem Lehrer, der eine anarchistisch-individualistische Lebensauffassung vertrat, mit dem autobiografisch gefärbten Roman «Schwarzes Blut» («Le Sang Noir») ein Denkmal gesetzt: Die Hauptfigur ist ein Philosophielehrer, der von seinen Schülern nur «Cripure» genannt wird – eine Verballhornung von Kants «Critique de la raison pure».

Indem Guilloux die Handlung in das Jahr 1917 verlegt, setzt er den Freitod des unabhängigen Denkers in Beziehung zu einem kleinstädtischen Umfeld, das zwischen Kriegsmüdigkeit und ersten sozialistischen Revolten an hohlen patriotischen Ritualen festhält.

1962 erstellte Guilloux selbst eine Theaterfassung, die 1967 mit Hilfe des Regisseurs und Schauspielers Marcel Maréchal eine erfolgreiche Uraufführung erlebte. Maréchal schließlich destillierte 2009 das Drama zu einem Opernlibretto, das der 1946 geborene Komponist François Fayt vertonte. Die Uraufführung der Oper an einem deutschen Theater bot eine Gelegenheit, die ...

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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Carsten Niemann

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