Last but not least
Noch bis in den Oktober hinein schmückten Brecht-Aphorismen das Foyer des Berliner Admiralspalastes – im königsblauen Layout der Deutschen Bank, die dort Brandauer-Campinos «Dreigroschenoper» sponsorte. Man mag da an Karl Kraus’ Ausspruch denken, dass ein Dichter vor nichts größere Angst haben müsse als davor, dass seine Stücke zu Klassikern erhoben würden. Doch ist es dermaßen zwangsläufig, dass ein Brecht als Klassiker in Hände gespielt wird, in die er nun wirklich nicht gehört? Für Brecht auf der reinen Klangbühne gilt das jedenfalls nicht.
Erst die Sicht auf die «Dreigroschenoper» als literarischen und musikalischen Klassiker ermöglichte die Stilsicherheit, mit welcher Bandleader James Last und Regisseur Harald Vock 1968 darangingen, das Werk in den Studios der Polydor in bester Manier des westdeutschen Nachkriegshörspiels als «Kino im Kopf» zu inszenieren. Diese erste wirkliche Gesamtaufnahme – in den dreißiger und fünfziger Jahren gab es nur musikalische Potpourris – entstand zum einen abseits vom real existierenden Sozialismus, der mit dem Werk aktive ideologische Arbeit betrieb, zum anderen aber auch erstmals mit historischem und ästhetischem Abstand zu den ...
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Der Direktor der Wiener Staatsoper Ioan Holender sei so autark, dass es ihm egal sein könne, wer unter ihm österreichischer Kanzler ist, meinte einmal ein Kommentator. Mag sein. Oder auch nicht. Auf jeden Fall ist Holender stets streitbar, wenn es um die Belange seines Hauses geht. So hatte er im Vorjahr im Zusammenhang mit der geplanten Übertragung von «Elisir...
Man kann die Klagen bald nicht mehr hören: Das Publikum klassischer Konzerte und Opernaufführungen sei überaltert, und der jüngeren Generation fehle die Bildung, um Mozart, Verdi oder Wagner zu verstehen. Ganz zu schweigen vom Musiktheater des 20. und 21. Jahrhunderts. Statt bloß zu jammern, sind Orchester wie Opernhäuser längst zur Offensive übergegangen –...
In der Oper geht es zu wie im wirklichen Leben: Die meisten lügen, dass sich die Balken biegen, die wichtigen Dinge geschehen hinter den Kulissen, wer Dreck am Stecken hat, verbirgt den Stecken, und die Intriganten handeln ganz selbstlos in höherem Interesse.
Der Berliner Staatsopernintendant Peter Mussbach hat das in seiner Mailänder «Don Giovanni»-Inszenierung,...
