Kurz und bündig
Die Geschichte ist zu schön, um wahr zu sein. Verdi, der Komponist des Risorgimento. Verdi, ein Mann des Volkes. Verdi, der Nationalheld, der mit «Va, pensiero, sull’ali dorate», dem berühmten Gefangenenchor aus «Nabucco», die Unabhängigkeitshymne Italiens schrieb. «Viva V.E.R.D.I.» – selbst der Schlachtruf, mit dem italienische Patrioten Vittorio Emanuele Re d’Italia, das erste Oberhaupt der befreiten Nation, feierten, fand Eingang ins legendäre Bild: Künstler und König, vereint im selbstlosen Kampf für Volk und Vaterland.
Wunschvorstellungen, Projektionen einer für bare Münze genommenen Mythografie sind das für Anselm Gerhard. Seit Jahren nimmt der Berner Musikhistoriker die scheinbar unverwüstlichen Klischees der Verdi-Rezeption auseinander. Und hat zahllose Ungereimtheiten aufgedeckt, die das liebgewonnene Image vom guten Menschen aus Sant’Agata in Frage stellen. Ein Image, das Verdi nach Kräften förderte. Über die ersten drei Jahrzehnte seines Lebens zum Beispiel geben fast nur Selbstzeugnisse des arrivierten Komponisten Auskunft, «die man wohlwollend als effektsichere, mit theatralischem Gespür verfasste Selbstinszenierungen bezeichnen könnte, weniger wohlwollend aber als ...
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Opernwelt August 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 36
von Albrecht Thiemann
Jubilare
Obwohl er nie in Bayreuth aufgetreten ist, galt er vielen als bedeutendster Wotan und Holländer seiner Generation: Robert Hale, geboren in Texas, hat sich Zeit gelassen bei der Entwicklung seiner Bassbariton-Stimme. 1965 debütierte er in Denver als Mozart-Figaro, gehörte dann zehn Jahre zum Ensemble der New York City Opera. In Europa hatte er seine größten...
Kaum eine Verdi-Darstellung verzichtet darauf, den bekanntesten Brief des Komponisten zu zitieren: «Das Wahre kopieren mag eine gute Sache sein, aber das Wahre erfinden ist besser, viel besser.» Aus dieser spontanen Äußerung nach dem Besuch eines zeitgenössischen Schauspiels ein ästhetisches Credo abzuleiten, ist so verführerisch wie riskant – umso mehr, als das...
Die Oper ist und bleibt der Wolpertinger unter den Künsten, bei dem sich Text, Musik und Szene gegenseitig unterstützen, kommentieren oder im Wege stehen. Diese Offenheit des Genres weckt zuweilen die Begehrlichkeit, alles hineinzuwerfen, auf dass am Ende schon irgendetwas Neues oder Aktuelles herausschaue. Das jüngste Projekt der Deutsche Bank Stiftung und ihres...
