Kraftvolle Kulinarik
Ein Debüt kurz vor dem 80. Geburtstag, dann auch noch im erweiterten Kernrepertoire – doch, das gibt es, sogar bei Zubin Mehta. Giuseppe Verdis «Un ballo in maschera» hat er bislang nie im Rahmen einer szenischen Produktion dirigiert, bis jetzt, bis zur heftig bejubelten Heimkehr an sein früheres Haus. Und vielleicht muss man sich dabei auch nicht mehr, nach vielen stählenden Jahren im Business, um stilistische Überlegungen kümmern.
Beispielsweise darum, dass Verdi das Stück nicht nach «Otello» und «Falstaff» geschrieben hat, sondern in einer Übergangsperiode, die im Florett und Zierrat einer früheren Epoche wurzelt, mit deutlicher Energiezunahme jedoch auf Späteres verweist. Das Flatterhafte, Leichtfüßige, Satirische blendet Mehta an der Bayerischen Staatsoper vollkommen aus. Verdis Polystilistik wird geopfert zugunsten einer kraftvollen Kulinarik, bei der sich das Staatsorchester in den operettigen Momenten zum gemütlichen Umtata bequemen darf.
Umso stärker sticht das andere Debüt dieses Premierenabends heraus. Nach einigen Absagen und einer somit ungeplanten Pause fügt Anja Harteros ihrem Rollenbouquet die Amelia hinzu. Anfangs gibt es kleine Verspannungen, aber dann bewegt sie ...
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Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Markus Thiel
Für Susanne Elgeti streift Dieter Schnebel noch einmal den Talar über, richtet das geteilte Beffchen des reformierten Protestanten, hebt die Arme und spricht den Segen für eine imaginäre Gemeinde. Die Kirche ist leer, der Atem geht schwer. Vom «Friede Gottes» hören jetzt nur die Regisseurin und ihr Team. Gut so?, fragt der Blick des Pfarrers a. D. Der «Friede...
Was für ein Theater: im Theater. Da streiten sich auf offener Bühne die Tragischen mit den Komischen, die Lyrischen mit den Lächerlichen über die Frage, was man sehen möchte. Und sie mischen sich ein, wenn endlich die Geschichte von der «Liebe zu den drei Orangen» erzählt wird. Der hier namenlose Prinz (der in Carlo Gozzis Vorlage noch Tartaglia heißt) ist so...
Und so werden sie sich in der kommenden Saison alle ums wärmende Feuer der Vergangenheit versammeln. Oder ist es doch mehr eine Séance? Wenn, dann werden jedenfalls aus sehr unterschiedlichen Gründen Geister beschworen. In Lyon, wo mit Klaus Michael Grübers «Poppea», Heiner Müllers «Tristan» und der «Elektra» von Ruth Berghaus Legendäres wiederauferstehen soll....
