Und nun? Luis Olivares Sandoval (Prinz) und Patricia Andress (Rusalka); Foto: Jörg Landsberg
Kopflastig
Ein romantisches Seeufer oder ein Schloss mit Park, Loggia und Festsaal sucht der Zuschauer auf der Bremer «Rusalka»-Bühne vergeblich – und stellt fest, dass Regisseurin Anna-Sophie Mahler der Märchenatmosphäre dieser wunderschönen, vielfach unterschätzten Dvořák-Oper offenbar gründlich misstraut. Sie rollt die Geschichte von der Nixe, die ihr Wasserreich um der Liebe Willen verlässt, von ihrem psychoanalytischen Subtext her auf, sieht darin die verschlüsselte Darstellung einer Emanzipation.
Und die geht so: Ein junges Mädchen (Rusalka) will sich von seinem Elternhaus lösen, muss dabei aber nicht nur den Widerstand ihres Vaters (des Wassermannes) überwinden, sondern wird darüber hinaus von ihrer bösen Stiefmutter (der Hexe Jezibaba) mit dem Fluch der Sprachlosigkeit (Bild für Rusalkas Trauma) belegt – und darf, wenn sie es einmal verlassen hat, nie wieder in das Reich ihrer Kindheit (der Geborgenheit) zurückkehren.
Als der Schritt vollzogen ist, läuft alles schief. Der ersehnte Mann (der Prinz) wendet sich noch am Tag der Hochzeit einer anderen zu, der Fremden Fürstin, bei Mahler eine Verkörperung von Rusalkas Ängsten. Rusalkas einzige Rettung wäre, dass sie dem Prinzen den ...
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Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Gerhart Asche
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Die Jungen, die Erstgeborenen, sollen sterben. So befiehlt es König Nimrod. Da sitzt nun der junge Abraham in seinem Drahtzimmerkubus versteckt und klagt. Isolation in der Berghöhle. Doch ganz lässt sich die Welt nicht aussperren, Fetzen ihrer selbst dringen durch zu Abraham, dem Religionsvater. So formt sich sein Weltverständnis und die Gewissheit vom einen Gott. ...
Tropfen. Erst ist es nur einer, der im Irgendwo herabsinkt, zeitlupenhaft vergrößert wie in Andrej Tarkowskijs «Nostalghia», als ins schier Unendliche zerdehnte Zeit. Nach dem Aufprall herrscht sekundenlang Stille, dann fällt ein weiterer Tropfen. Und dann sind es immer mehr, von überall her drängen sie, elektronisch verstärkt, herein, bis man förmlich umzingelt...
