Knusper, knusper, Häuschen?
Er müsste schon sehr souverän sein, der Intendant, der als Einstandspremiere «Hänsel und Gretel» ansetzte. Herausforderungen, die theaterpolitisch etwas hermachen, heißen anders: «Ring», «Les Troyens», auch «Moses und Aron». Oder wenigstens «Hoffmanns Erzählungen» und «Freischütz». Allzeit gut figurieren auch kanonische Meisterwerke wie «Don Giovanni» und «Wozzeck». Daneben gibt es Stücke für den Opernalltag; sie machen gut Kasse, bleiben im Spielplan aber eher unscheinbar. «Madama Butterfly» zum Beispiel oder «Rigoletto».
In diese letzte Kategorie fällt auch «Hänsel und Gretel» – das Opernpräsent zur Weihnachtszeit. Es gab Häuser, in denen das Stück vier Jahrzehnte lang in denselben Bühnenbildern arrangiert wurde. Fast erschien es überflüssig, über eine neue Inszenierung nachzudenken. Selbst die Märchenforschung und das veränderte Kinderbild der 1968er schlugen sich in der Aufführungspraxis kaum nieder. Anders als Wagner, Verdi und Mozart zeigte sich die erfolgreiche Humperdinck-Oper interpretationsresistent. Dabei ist sie, kanonisch oder nicht, zweifellos ein Meisterwerk: als reich inspirierter, dabei unprätentiöser Wagner-Nachschlag; als Exempel feinsinnig-tüftliger ...
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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Hans-Klaus Jungheinrich
Sie geben ein Interview, dabei müssen Sie gleich auf die Bühne. Macht es Ihnen nichts aus, jetzt noch so viel zu sprechen?
Mich kümmert das nicht so. Ich habe mir eine positive Form der Routine angewöhnt. Ob Vorstellung oder Probe: Ich versuche, den Tag so normal wie möglich zu gestalten und mich nicht verrückt zu machen.
Wie sieht bei Ihnen denn ein Vorstellungstag...
Frisch durchgeschmust sitzt Katerina Ismailowa auf der Bettkannte und singt: «Na warte!». Sie meint damit nicht ihren Liebhaber Sergej und kündigt auch nicht an, dass ab jetzt entschieden zurückgeschmust würde. Nein, sie meint ihren Mann Sinowi, dessen Schritte sie hört und den sie gar nicht mehr gebrauchen kann in ihrem Leben. «Na warte!», heißt so viel wie: «Dich...
Aus den spiegelglatten Wassern des Planeten Solaris ragt eine zerschossene, bröckelnde Teleskopschale empor. Zu den ersten tastenden Klängen von Detlev Glanerts «Solaris» erhebt sich darin ein Mann und gibt sich die Todesspritze. Dieser (nicht singende) Gibarian ist das erste Opfer auf der Raumstation, auf der sich nicht nur Forscher und Abenteurer tummeln, sondern...
