(Keine) Revolution im Museum
Die spezialisierte Forschung kann noch so gute Argumente gegen eine direkte Rolle von Verdis Opern im Prozess der italienischen Einigung anführen, im kollektiven Bewusstsein bleibt Verdi der Komponist des «Risorgimento».
Da macht es neugierig, wenn in der einzigen Stadt, in der diese Werke tatsächlich für den Traum eines großen Italiens instrumentalisiert wurden, dessen einzige Oper gespielt wird, die ohne Wenn und Aber auf die politische Gegenwart zielt: 1849 in Rom war es möglich, die Kämpfe zwischen dem Lombardischen Städtebund und Kaiser Barbarossa in einer Form zu erzählen, die Analogien zur Tagespolitik gleichsam mit der Brechstange herstellt: Der Feind wird als «Austro», als Österreicher eingeführt, der an die Ufer des «Istro», der Donau, zurückzudrängen sei. Und eben in Triest, der seit 1382 österreichisch regierten Hafenstadt, wurde spätestens seit 1861 fast jede Aufführung einer Verdi-Oper zur Demonstration der italienischen Volksgruppe, die den 1918 erreichten «Anschluss» herbeisehnte.
Ruggero Capuccio thematisiert in seiner Regie nicht den Patriotismus des 19. Jahrhunderts, sondern die «masochistische Negation» künstlerischer Ressourcen im heutigen Italien. Der Blick in ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Anselm Gerhard
Der Musikwissenschaftler Richard Taruskin hat Nikolai Rimsky-Korsakows vorletzte, ein Jahr vor seinem Tod 1907 uraufgeführte Oper «Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch und der Jungfrau Fewronija» als «eine Art Testament» bezeichnet. Dmitri Tcherniakov erlöst das Werk aus der verbiegenden Heiligsprechung eines russischen «Parsifal» und holt es in seiner...
Ein Tripel-Debüt: Renée Flemings erste «Ariadne», dirigiert von einem Werk-Debütanten namens Christian Thielemann, und das mit der Sächsischen Staatskapelle bei ihrer ersten gemeinsamen Opernarbeit. Man reibt sich ungläubig die Augen. Warum, bitteschön, hat eine der besten Strauss-Sängerinnen der Gegenwart, ausgewiesen als Marschallin, Capriccio-Gräfin und...
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