Nach Spielende: Elena Guseva (Polina); Foto: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn
Im Rausch
Während die Musik gleich zu Beginn ins Taumeln gerät, entbirgt die Bühne ein Karussell, das überdies quasi ein Kind bekommt, ein Modell in verkleinertem Maßstab an der Rampe vorne links. Das Programmbuch hatte uns dazu unter anderem Rilkes «Jardin du Luxembourg» suggeriert. Wir könnten freilich auch Wiener Praterkolorit beschwören, H. C. Artmann etwa: «I bin a ringlgschbüübsizza und hob scho sim weiwa daschlong.
» Zwar stehen in Sergej Prokofjews «Spieler» a priori weder ein Ringelspielbesitzer mit Blaubart-Wallungen noch sieben erschlagene Weiber zur Disposition, doch in Karoline Grubers Inszenierung an der Wiener Staatsoper liegt Polina, die weibliche Protagonistin, am Schluss gemeuchelt – erwürgt von ihrem im Spielrausch wahnsinnig gewordenen Liebhaber Alexej.
Es ist vor allem Rilkes «... und das geht hin und eilt sich, dass es endet und kreist und dreht sich nur und hat kein Ziel», das die Regisseurin und ihren Bühnenbildner Roy Spahn wohl zur den Abend beherrschenden Bildmetapher geführt hat: Das Karussell dient hier als Sinnbild eines Lebens, das sich in alle Richtungen zu krümmen scheint und doch bloß auf der Stelle tritt, eine skurrile Revue verkrachter Existenzen im ...
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