Nach Spielende: Elena Guseva (Polina); Foto: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn
Im Rausch
Während die Musik gleich zu Beginn ins Taumeln gerät, entbirgt die Bühne ein Karussell, das überdies quasi ein Kind bekommt, ein Modell in verkleinertem Maßstab an der Rampe vorne links. Das Programmbuch hatte uns dazu unter anderem Rilkes «Jardin du Luxembourg» suggeriert. Wir könnten freilich auch Wiener Praterkolorit beschwören, H. C. Artmann etwa: «I bin a ringlgschbüübsizza und hob scho sim weiwa daschlong.
» Zwar stehen in Sergej Prokofjews «Spieler» a priori weder ein Ringelspielbesitzer mit Blaubart-Wallungen noch sieben erschlagene Weiber zur Disposition, doch in Karoline Grubers Inszenierung an der Wiener Staatsoper liegt Polina, die weibliche Protagonistin, am Schluss gemeuchelt – erwürgt von ihrem im Spielrausch wahnsinnig gewordenen Liebhaber Alexej.
Es ist vor allem Rilkes «... und das geht hin und eilt sich, dass es endet und kreist und dreht sich nur und hat kein Ziel», das die Regisseurin und ihren Bühnenbildner Roy Spahn wohl zur den Abend beherrschenden Bildmetapher geführt hat: Das Karussell dient hier als Sinnbild eines Lebens, das sich in alle Richtungen zu krümmen scheint und doch bloß auf der Stelle tritt, eine skurrile Revue verkrachter Existenzen im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Im Mindener Stadttheater, 526 Plätze klein, fehlt nicht viel, und diejenigen, die in der ersten Parkettreihe sitzen, könnten sich am Schwert Nothung schneiden oder den Drachen Fafner am Schwanz fassen. In dem schwarzlichtern sich windenden Monster verbergen sich Schüler des örtlichen Ratsgymnasiums. Doch wer deshalb meint, das Wagnerwunder von Minden in Westfalen...
Frau Müller, wenn ich Sie nachts um vier bitten würde, «Ach, ich fühl’s, es ist entschwunden» zu singen, was würden Sie sagen?
Ich würde es machen – wenn ich mich 20 Minuten einsingen darf. Es ist gut, wenn man nicht mit einer völlig ausgeruhten Stimme beginnt.
Singt sich Mozart auf der Bühne leichter, wenn man vom Lied kommt?
Ich denke schon. Man muss sich, seine...
JUBILARE
Günter Neuhold wurde in Graz geboren und studierte an der dortigen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Dirigieren. Anschließend setzte er seine Studien bei Franco Ferrara in Rom und bei Hans Swarowsky in Wien fort. 1972-80 folgten Engagements an verschiedene Bühnen in Deutschland, darunter Hannover und Dortmund, wo er als 1. Kapellmeister tätig...
