Titus Engel; Foto: Agentur/Kaupo Kikkas
Jenseits der Geschichte
Zugang zu Musik, zu ihrer Musik, findet sie über Bilder, Metaphern. Allerdings nicht in dem romantischen Sinn, dass Metaphern für etwas stehen – für eine Aktion, Figur oder Stimmung. Es sind keine klaren Bilder, die den Prozess der Klangerfindung steuern. Chaya Czernowin spricht vielmehr von einer Art Infrastruktur, die ihr helfe, tief in unerhörte Sphären, Zusammenhänge einzutauchen, untergründige Beziehungen zu entdecken. In ihrem neuen Stück «Infinite now» treibt die Komponistin die Suche nach dem, was hinter dem Sprechen, Singen, Spielen steht, gleichsam auf die Spitze.
Titus Engel, der die Partitur an der Opera Vlaanderen, am Nationaltheater Mannheim und am Pariser IRCAM einstudierte, erklärt Besonderheiten und Schwierigkeiten der «Uraufführung des Jahres»
Herr Engel, für ihre dritte «Oper» hat Chaya Czernowin ein Schauspiel des flämischen Regisseurs Luk Perceval («Front») und einen Text der chinesischen Schriftstellerin Can Xue («Homecoming») verarbeitet. Berichte von Zeitzeugen des Ersten Weltkriegs verschmelzen mit den Erlebnissen einer Frau in einem kafkaesken Bedrohungsszenario. Was bedeutet der Titel – «Infinite now» – für Sie?
Es geht um ein «unendliches Jetzt», um die ...
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Opernwelt Jahrbuch 2017
Rubrik: Uraufführung des Jahres, Seite 24
von Albrecht Thiemann
Aufführung des Jahres: Bergs «Lulu» in Hamburg (Kent Nagano/Christoph Marthaler) und Honeggers «Jeanne d’Arc au bûcher» in Frankfurt (Marc Soustrot/Alex Ollé)
Regisseurin des Jahres: Yona Kim
Bühnenbildner des Jahres: Alfons Flores
Dirigent des Jahres: Kirill Petrenko
Sängerin und Sänger des Jahres: Anja Harteros, Christian Gerhaher, Georg Zeppenfeld
Opernhaus...
In der schwarzen Theaterhöhle von Jean Nouvel hat die Zukunft längst begonnen. Vor der Tür steppt die Breakdance-Szene, drinnen findet man das vermutlich jüngste Ballett- und Opernpublikum der Welt. Egal, ob Monteverdi, Strauss und Wagner oder mal wieder ein brandneues Stück läuft. Dass die Opéra de Lyon in der Stadt zwischen Rhône und Saône heute talk of the town...
Wieder einmal steht das sogenannte «Regietheater» am Pranger. Etliche Neuproduktionen der vergangenen
Saison tauchen in unserer Umfrage als «Ärgernis des Jahres» auf. Aus sehr unterschiedlichen Gründen. Dennoch stellen sich grundsätzliche Fragen: Haben wir es mit Irritationen zu tun, die auf eine Krise, gar Erschöpfung zeitgenössischer Regiekonzepte schließen...
