Irritierende Unschuld, herbe Morbidezza
Alois Mühlbacher ist fünfzehn und Sopransolist der St. Florianer Sängerknaben. Seine zweite CD enthält Lieder von Gustav Mahler («Lieder eines fahrenden Gesellen», fünf «Wunderhorn»-Lieder) und die «Vier letzten Lieder» von Richard Strauss.
Die technischen Mängel des jungen Solisten liegen auf der Hand: gelegentliche Vokalverfärbungen («Um Mitternocht»), unscharf angeschliffene Töne, Verhärtungen an dramatischen Stellen und bei chromatisch alterierten Noten, Flackern des Luftstroms bei langen Tönen, gelegentliche Verzerrung des reinen Knabendiskants zu einer gespenstischen Altfrauenstimme. Ebenso offenkundig ist aber auch die verblüffende technische Frühreife des Künstlers: seine makellose Artikulation (man versteht jedes Wort); die anrührende Reinheit und Kraft des Kopfregisters, das wunderbare Anschwellen-Lassen des Tons, das berückende Piano, das betörende Glissando in «Wir genießen die himmlischen Freuden», die erstaunliche Balance zwischen Textgestaltung und Legato, die reife Interpretation, ein intuitives Gespür für Dramatik, Spannungsbögen, Geschichten.
Das kritische Urteil über diese CD lässt sich nicht objektivieren. Es läuft auf die Gretchenfrage hinaus, ob man ...
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Opernwelt Februar 2012
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Seite 25
von Boris Kehrmann
Es ist etwas faul im Staate Dänemark, aber darüber spricht man nicht. Und besungen wird es erst recht nicht. Aber die Grundsatzfrage «Sein oder nicht sein» wird doch gestellt. Allerdings lautet sie hier «Être ou ne pas être», schließlich geht es um Ambroise Thomas’ Opernversion des «Hamlet». Bei der Uraufführung 1868 in Paris bejubelt, rutschte die Oper rasch aus...
Opernaufführungen in bourgeoisem Ambiente anzusiedeln – vorzugsweise in Treppenhäusern bürgerlicher Villen – scheint en vogue. Claus Guth hielt dies schon öfter so, bei seinem «Fliegenden Holländer» in Bayreuth beispielsweise oder beim Salzburger «Figaro». Auch Mariame Clément verortete Rameaus «Castor et Pollux» in ähnlichem Ambiente, suchte den Dioskuren-Mythos...
Preise zu melden ist normalerweise eine Sache für den Info-Teil der «Opernwelt»-Hefte. Doch in diesem Fall müssen wir eine Ausnahme machen: Die Gesangsabteilung der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt ist mit dem «Hessischen Hochschulpreis für exzellente Lehre» ausgezeichnet worden. Sie erhält damit den höchstdotierten deutschen Hochschulpreis...
