Innenwelten
Jubiläen werden gefeiert, wie sie fallen, aber nicht immer kommen dabei auch interessante Erkenntnisse, neue Lesarten, gelungene Aufführungen heraus. Die ostdeutsche Provinz legt nun im 200. Geburtsjahr Robert Schumanns gleich zwei starke Inszenierungen von dessen einziger Oper «Genoveva» vor – ein Stück also, das Zuwendung wirklich nötig hat, denn es wird bis heute als bühnenuntauglich kritisiert und selten aufgeführt. Der alte Vorwurf: Schumann war kein genuiner Theatermensch, er hat seelische Zustände, gleichsam psychische Plateaus komponiert, die auf Kosten der Handlung gehen.
Die Partitur ist gegen das Drama geschrieben. Konsequenterweise beleuchten Martin Schüler in Cottbus und Jochen Biganzoli in Zwickau vor allem diese psychologischen Seiten des Werks. Die verquaste Heiligengeschichte aus dem 8. Jahrhundert, die dem Libretto zugrunde liegt, mag zu Schumanns Zeiten populär gewesen sein, heute interessiert sie niemanden mehr. Doch sind gerade die Schwächen des Stücks seine Stärken: Einblicke in die Seelen der oftmals vereinzelt, wie autistisch agierenden Figuren öffnen Fenster in die Moderne. Logisch, dass beide Regisseure die interessanteste Figur in den Mittelpunkt rücken: ...
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In erster Linie wegen ihrer starken Persönlichkeit. Sie war wirklich anders als alle anderen. Deswegen bin ich der Ansicht, dass wir in der Rückschau von einer Periode vor und nach Maria Callas sprechen können. Sie war eben nicht nur Sängerin, sondern eine große Künstlerin auf der Bühne. Für mich ist sie ein...
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