Innenwelten
Jubiläen werden gefeiert, wie sie fallen, aber nicht immer kommen dabei auch interessante Erkenntnisse, neue Lesarten, gelungene Aufführungen heraus. Die ostdeutsche Provinz legt nun im 200. Geburtsjahr Robert Schumanns gleich zwei starke Inszenierungen von dessen einziger Oper «Genoveva» vor – ein Stück also, das Zuwendung wirklich nötig hat, denn es wird bis heute als bühnenuntauglich kritisiert und selten aufgeführt. Der alte Vorwurf: Schumann war kein genuiner Theatermensch, er hat seelische Zustände, gleichsam psychische Plateaus komponiert, die auf Kosten der Handlung gehen.
Die Partitur ist gegen das Drama geschrieben. Konsequenterweise beleuchten Martin Schüler in Cottbus und Jochen Biganzoli in Zwickau vor allem diese psychologischen Seiten des Werks. Die verquaste Heiligengeschichte aus dem 8. Jahrhundert, die dem Libretto zugrunde liegt, mag zu Schumanns Zeiten populär gewesen sein, heute interessiert sie niemanden mehr. Doch sind gerade die Schwächen des Stücks seine Stärken: Einblicke in die Seelen der oftmals vereinzelt, wie autistisch agierenden Figuren öffnen Fenster in die Moderne. Logisch, dass beide Regisseure die interessanteste Figur in den Mittelpunkt rücken: ...
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Mit seiner dritten Oper, der abendfüllenden zweiaktigen Farce «L’equivoco stravagante» (Das wunderliche Missverständnis), hatte der erst 19-jährige Gioacchino Rossini wenig Glück. Die Behörden in Bologna, wo das Stück herauskam, stießen sich an den erotischen Freizügigkeiten des Textes von Gaetano Gasbarri wie an dem Plot selbst. Nach nur drei Aufführungen wurde...
Mal ehrlich: Wer hätte das gedacht? Dass es klappt. Dass man es wirklich ernst nehmen kann. Dass man eingeschliffene Hörerwartungen und Klangperspektiven gern korrigiert? Cecilia Bartoli singt Norma – die ganze Partie (die Arie hatte sie schon vorher aufgenommen). Ein Wagnis. Als die Römerin vor zwanzig Jahren ihre Karriere startete, hätte das niemand vorhersagen...
An der Wiener Staatsoper gibt es eine Reihe von Produktionen, die aus eigener Kraft nicht mehr vom Spielplan herunterkommen. Doch sie wurden behalten, weil die Direktion stets argumentierte, dass zum Beispiel «Butterfly» (Premiere 1957), «Tosca» (1958), «Bohème» (1963), der «Liebestrank» (1980) «nicht notwendigerweise ständig eine neue Ästhetik» brauchten.
Der...
