Imbroglio
Im heutigen Opernbetrieb ist es nicht mehr leicht, Regisseure zu finden, die für Sensation sorgen oder zumindest für einen Skandal. Für einen ehrenvollen, versteht sich! Für den neuen Hamburger «Fidelio» setzte Intendant George Delnon auf eine andere Lösung: Er hat das Stück selber in Szene gesetzt, als Bebilderung vager Ideen über das Werk, mit einem auf den Vorhang projizierten Leitgedanken: «Ich hatte einen Traum. Es war ein Alptraum. Ich wachte auf und alles war in Ordnung.
» Es ist der Satz eines Offiziers aus Heiner Müllers «Kentauren», für den das System der Staatssicherheit zu einem Teil seines Wesens wurde. Eine politische Allusion, die im Ungefähren der Andeutung, der flotten Assoziation bleibt.
Erst nach diesem «Denkanstoß» hebt Kent Nagano den Taktstock, aber nicht zur «Fidelio»-Ouvertüre, sondern zur dritten Leonoren-Ouvertüre, die, wie aus einem im Programmheft zitierten «Fidelio»-skeptischen Text von Günther Anders zu erfahren ist, durch die Botschaft der Oper verwässert wird. Widerspricht die Kunstgattung Oper, fragt Anders, nicht der «Botschaft» dieser Oper? Es ist eine jener typischen rhetorischen Fragen, mit denen Dramaturgen das kritische Bewusstsein zu fördern ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Jürgen Kesting
Frau Cargill, in einem Brief an Ihre Eltern riet Ihre High School von einer musikalischen Laufbahn dringend ab. Das muss Sie ziemlich verunsichert haben?
Besonders ermutigt hat man mich dort wirklich nicht. Genauer gesagt, gar nicht! Auch meine Fachschaftsleitung am Konservatorium in Glasgow hatte wenig Vertrauen. Aber wir Schotten sind ja sehr stur (lacht). Mich...
Bloß kein Meer! Wenige Tage vorher zeigte David Hermann in Karlsruhe «Simon Boccanegra» als Stück aus Innenräumen. Bilder des ligurischen Meeres, von dem Text und Musik erzählen, waren verpönt. Verdis «tinta musicale», die das einfängt, was man später «Naturlaut» nannte, prallte auf eine eng bebaute Drehbühne, die sich gänzlich verschließen konnte und kaum Blicke...
Wo Musik ist, muss ein Dämon sein», bemerkte der New Yorker Geiger Herman Martonne einmal über Mahler. Er hatte dabei weniger den Komponisten als den Dirigenten im Sinn. Einen Dämon, der, nicht nur in Tempofragen, allein dem eigenen inneren Kompass vertraute. Einem Instinkt freilich, der, historisch informiert, auf die unerhörte Vergegenwärtigung des Vergangenen...
