Im Garten der Lüste
So schlecht ist dieses schräge Stück gar nicht, man muss es nur überzeugend auf die Bühne bringen: «Edgar», Puccinis zweite, selten gespielte Oper. Die Bühne, das ist hier der Klosterhof vor der mächtigen Fassade der Kathedrale St. Gallen. Mit dabei sind die Magie des Ortes, die Dämmerung sowie Schwalben, die sich um Vierteltöne zu hoch ins musikalische Geschehen einmischen und schließlich in den Büschen des Bühnenbilds verschwinden. Oper unterm Sternenzelt, da mag der Kenner die Nase rümpfen. Den Festspielen St. Gallen tut er damit Unrecht.
Hier wird nämlich gerade nicht das Eingängige gesucht. Bei den Festspielen, mit denen das Theater St. Gallen seine Spielzeit seit 13 Jahren zu beschließen pflegt, verbindet sich die Suggestivkraft der Freilichtaufführung vielmehr mit der Besonderheit des Repertoires. Raritäten wie die «Loreley» von Alfredo Catalani, «Attila» von Giuseppe Verdi oder Gaetano Donizettis «Il diluvio universale» waren da zu erleben – zum Teil in bemerkenswerten Produktionen.
Jetzt also «Edgar». Die Oper existiert in nicht weniger als vier Versionen, von denen in St. Gallen die vierte und letzte von 1905 gezeigt wird, allerdings auch die mit Modifikationen. Verquer ...
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Einmal...
