Im Bauch des Löwen
Edgar Allan Poe hat es auf den Punkt gebracht: «Was das Publikum in einer Zeitschrift sucht, ist das anderswo nirgends Beschaffbare.» Das gilt auch und gerade für den Inseratenteil von Zeitungen. Keiner hat sich darüber lustiger gemacht als Gioacchino Rossini in seinem Dramma per musica «La gazzetta», frei nach Goldonis Stück «Il matrimonio per concorso», mit dem er den Neapolitanern 1816 seine Fähigkeiten als Opera-buffa-Komponist einmal mehr unter Beweis stellte.
Der neureiche neapolitanische Kaufmann Don Pomponio, der sich mit seiner Tochter gerade in Paris aufhält, will für sie eine gute Partie ergattern. Also gibt er in einer Tageszeitung ein Inserat auf, um für die lebenslustige Lisetta, die sich heimlich mit dem Wirt Filippo verlobt hat, einen Mann zu finden. Die großspurig pikante Anzeige amüsiert ganz Paris, insbesondere die Gäste des Hotels, in dem man wohnt, allesamt Beziehungssuchende: Väter, Töchter, Söhne, Wichtigtuerinnen wie Madama La Rosa oder der klatschsüchtige Lebemann Monsú Traversen. Ein Verwirrspiel der Interessen und Gefühle, vor allem im türkischen Maskenfest des zweiten Aktes. Ein köstliches Stück, dessen sechzehn reiche musikalische Nummern von ...
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Alexander von Zemlinsky ist in der argentinischen Kapitale so gut wie unbekannt. Von seinen wichtigen Werken war in Buenos Aires lediglich die «Lyrische Symphonie» zu hören (1997). Die Maeterlinck-Lieder, die Quartette, das Trio – all dies harrt nach wie vor einer Aufführung. Das Gleiche galt bis vor kurzem für Zemlinskys Opern. Erst der ehemalige Colón-Intendant...
Verdis «Don Carlo» verschiebt Schillers Perspektive, indem er die Innenansicht der Macht in den Vordergrund stellt. Diese bildet auch eines der Hauptthemen von Beverly Blankenships Regie, womit die Gestalt König Philipps II. in den Mittelpunkt rückt: ein Mächtiger, der ohnmächtig der Allgewalt der Kirche ausgeliefert ist.
Blankenship und ihre Bühnenbildnerin Heidrun...
Gut möglich, dass John F. Coetzee, der südafrikanische Nobelpreisträger, Becketts «Warten auf Godot» im Hintersinn hatte, als er im Jahr 1980 seinen Roman «Waiting for the Barbarians» schrieb. Hier wie dort warten Menschen darauf, dass jemand auf der Bildfläche erscheint. Und in beiden Fällen entpuppt sich das Warten als wesentliche Handlung; diejenigen, respektive...
