Ideen stinken nicht
Herr Gerhaher, ist die Oper noch immer der andere Kontinent, von dem aus Sie gern ins heimische Lied zurückkehren?
Oper singe ich eigentlich schon sehr lang, so fremd kann die mir also nicht sein. Wenn mich jemand nach meinem Beruf fragt – ob Handwerker, Universitätsprofessor oder Taxifahrer –, sage ich, ich sei Opernsänger. Bei «Sänger», glaube ich, vermuten viele eher Pop oder die Don Kosaken. «Opernsänger» erklärt sich von selbst.
Vor dem Zürcher «Wozzeck» gab es bestimmt schon viele Anfragen für diese Rolle.
Warum das Debüt erst vor einem Jahr?
Weil ich mich vorher nicht getraut habe. Und auch bei der Vorbereitung auf die Zürcher Premiere dachte ich mir: Ich kann das nicht, ich schaff das nicht. Merkwürdigerweise hätte ich aber, im Rückblick besehen, andere Rollen eher ablehnen sollen. Der Wozzeck, so glaube ich, hat sich als das Richtige herausgestellt. Die Partie, das war mir vor Probenbeginn immerhin klar, kann ja eigentlich kein Sänger ganz erfüllen, allein was den Ambitus betrifft. Es gibt darüber hinaus vielfältigste Anforderungen. In den Notationen ist eine so weitgehende Fantasie Alban Bergs erkennbar, dass – wenn man mal die Wozzeck-Darsteller vergleicht – extreme und ...
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Opernwelt Jahrbuch 2016
Rubrik: Sänger des Jahres, Seite 28
von Markus Thiel
Sie kommen aus einer Musikerfamilie. Ihre Mutter ist die dänische Opernsängerin Inge Dreisig, auch Ihr Vater war Sänger. So mancher will da bewusst etwas anderes machen. Sie nicht?
Für mich war die Oper eine Welt voller Wunder, auch wenn ich wusste, da wird harte Arbeit geleistet. Mit sechs Jahren fing ich im Kinderchor an, an der Opéra Royal de Wallonie – ich bin...
Wenn man ein wenig faustisch angefixt ist, wird man in Karlheinz Stockhausens erster «Licht»-Oper, dem «Donnerstag», unschwer die gute alte Goethe-Konstellation wiedererkennen. Es geht um den Gottes- und Menschensohn Michael und um Luzifer, sein Alter Ego und Gegenspieler; dazwischen Eva, «die Frau» – mal Mutter, mal Geliebte, jedenfalls ausgleichendes Element....
Eine «glänzende Charakterstudie» lieferte Matthias Klink nicht nur als «verklemmt-arroganter» Dichter in Philippe Boesmans’ Schnitzler-Oper «Reigen» (auf dem Foto mit
Melanie Diener; OW 6/2016). An seinem Stuttgarter Stammhaus gab er in Strauss’ «Salome» einen Herodes von zwingender Intensität: ausgefeilt das Spiel, klangschön, deklamatorisch, «ohne...
