Huldigungen an den Zeitgeist

Rameau und Walshe an der Oper Stuttgart

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Calixto Bieito hat wieder einmal zugelangt und in seiner Inszenierung von Jean-Philippe Rameaus ballet bouffon «Platée» die Hosen heruntergelassen. Bieito erzählt die Geschichte der hässlichen Sumpfnymphe Platée, die zum Spaß mit Jupiter verkuppelt und bei Rameau von einem Tenor dargestellt wird, als die Geschichte eines (von Thomas Walker glänzend gespielten, stimmlich allerdings nicht ganz so souverän gemeisterten) Transvestiten.

Die Einblicke ins Triebleben der upper society eines New Yorker Nachtclubs, der hier den Rahmen von Rameaus böser Komödie abgibt, sind begrenzt.

Das paarweise Bodenturnen auf Susanne Gschwenders glitzernd schwarzer Spiegelfläche, über die sich ein Himmel von Leuchtkörpern senkt, ist so harmlos, dass es keinen Jugendlichen in Bedrängnis brächte. Und die Aufgeregtheit, die den ganzen Abend auf der Bühne herrscht, mit einer zügellosen Orgie zu verwechseln, täte den harmlosen Gags zu viel Ehre an: Thalie, die Muse des Theaters, bläst ein Kondom auf; Bacchus (von einer dicken, vollbusigen Frau gemimt) knabbert lustvoll an einer priapeischen Plastik; Jupiter bindet sich einen Eselspimmel vor; Mercure und Cithéron knutschen abendfüllend als Schwulenpärchen. Nur ...

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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Magazin, Seite 97
von Uwe Schweikert

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