Hollywood grüßt

Bates: The Amazing Adventures of Kavalier & Clay NEW YORK | METROPOLITAN OPERA

Opernwelt - Logo

Nach «The (R)evolution of Steve Jobs» von 2017 ist «The Amazing Adventures of Kavalier & Clay» die zweite Oper von Mason Bates, einem der populärsten Komponisten der USA. In einer Kooperation wurde das Stück vor einem Jahr zunächst an der School of Music der Indiana University erarbeitet, nun kam Bart Shers dynamische Inszenierung an die Met. Der Regisseur knüpft mit einem kinetischen Spektakel, das sich eindrucksvoller Technologie bedient, an seine Broadway-Erfolge an.

Gene Scheers Libretto vereinfacht zwangsläufig Michael Chabons überlangen, wenn auch unterhaltsamen Bestseller-Roman, der von gelehrten Anspielungen nur so überquillt. Leider griff Scheer auf Klischees des aktuellen Hollywood zurück: Selbstverwirklichung durch Kunst und eine starke Sentimentalität gegenüber der «größten Generation», also jene die im Zweiten Weltkrieg diente. Es gibt keinen Unterschied zwischen der karikaturhaften Darstellung des Kriegs durch die beiden jüdischen Cousins, die in Chabons Roman die Hauptfiguren sind, und seiner Darstellung im Libretto.

Das Stück ist im Grunde gut gemeint, es richtet sich gegen Unterdrückung und Versklavung, bietet aber mehr Gemeinplätze als tiefe Einblicke. Recht ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Panorama, Seite 57
von David Shengold

Weitere Beiträge
Nachahmenswert

Gefühlvoll Operettiges, das auch ans Sentimentale streifen darf, und ebensogut fetzige Tanzrevue-Nummern oder einprägsame Songs: Gerd Natschinskis Klänge garantieren zusammen mit dem Bühnengespür seines Librettisten Jo Schulz, dass dieser «Messeschlager Gisela» auch dramaturgisch gut funktioniert. Trotzdem feiern beide nach wie vor fast nur in ostnostalgischen...

Zuckerfreie Süße

Wie sich die Bilder gleichen. Wenn sich im Jugendstiljuwel des Lübecker Theaters Karola Sophia Schmid als Sophie und Frederike Schulten als Octavian mit einer nachgerade huldvollen Verbeugung jenem aromatisch aphrodisierenden Gewächs (und damit erstmals auch einander) zuwenden, scheint in der Neuinszenierung jene ikonisch gewordene Rosenüberreichung erneut auf, die...

Erotisches Verlangen

Die junge französische Sopranistin Margaux Poguet ist eine Multitaskerin, die sich viel zutraut. In der vergangenen Saison debütierte sie als Donna Elvira, Fiordiligi und Vitellia gleich in drei herausfordernden Mozart-Partien. Jetzt legt sie ihr erstes Soloalbum vor – und bewältigt den Spagat zwischen zwei Welten, dem unterkühlten Songstil Weills und der...