Hipster-Rokoko
Er hat sich am Kopfe der Treppe aufgebaut. Herrisch schwillt die nackte Brust, schwingt die hüftlange Mähne. Don Giovanni reckt die Hüfte vor, sichtlich stolz auf den Inhalt seiner buntbedruckten Hose. Dann tritt er ab, gefolgt von reihenweise reizschwarzgekleideten Pornohäschen und Stricherboys.
So charakterisiert in Helsinki Jussi Nikkilä den Titelschurken während der Ouvertüre. Sein Treiben beobachtet ein Herr, der sich nicht minder aufplustert; bloß missbilligend, ganz gutbürgerliches Gewissen. Man ahnt es: der Komtur.
Giovanni kommt nochmal heraus, schnupft eine Linie Koks vom Handrücken. Und das ist, wie sich später herausstellt, keine Party-Ausnahme, sondern ausgemachte Abhängigkeit. Im Laufe des Abends erklärt der Drogenrausch sämtliche Exzesse, ja wird am Schluss gar von den verbündeten Geschmähten ausgenutzt: Sie lassen die Stimme des Komturs aus einem Ghettoblaster dröhnen, Giovannis Halluzinationen übernehmen den Rest. Dass die Dinnergesellschaft – alle sind sie gekommen – Giovanni mit langzinkigen Gabeln niedermetzelt, darf man wohl als finale Albtraumerfahrung im Zuge einer Überdosis verstehen.
Leporellos Abhängigkeit von seinem Herrn ist derweil bloßes ...
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Opernwelt Mai 2020
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Wiebke Roloff Halsey
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