Heiliger Ernst

Kaiserslautern | Wagner: Parsifal

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Eine Produktion im Zeichen des Abschieds: Intendant Johannes Reitmeier schenkte sich und dem Publikum zum Finale die Kaiserslauterner Erstaufführung (!) des «Parsifal». Wie gut das Haus bestellt ist, das der 49-Jährige bei seinem Wechsel nach Innsbruck hinterlässt, zeigt ein Blick auf die vier abschließenden Musiktheater-Produktionen: neben Wagners Bühnenweihfestspiel Orffs «Astutuli», Braunfels’ «Verkündigung» und Mussorgskys «Boris Godunow». Wer mit einem solchen Spielplan in einem ländlich geprägten Raum das Haus füllt, muss überzeugend gearbeitet haben.



Als rundum geglückter Abschluss kann Reitmeiers «Parsifal» freilich nicht bestehen. Wer ein großes Ideendrama erwartet, sieht sich bestenfalls mit einer Ansammlung katholischer Rituale konfrontiert. Thomas Dörflers imposante Bühne zeigt die Kuppel einer untergegangenen Kirche (der Petersdom?), die aus dem Bühnenboden herausragt wie ein Bunker. Assoziationen tauchen auf, offenkundig beabsichtigt: Amfortas erinnert in Gestik und Mimik an das öffentliche Leiden von Papst Johannes Paul II., die Gralsritter erscheinen als vergreistes Kardinalskollegium, ihr Protokollchef heißt Gurnemanz.

Auch die Gegenwelt des Zauberers Klingsor kommt ...

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Opernwelt April 2012
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Dieter Lintz

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