«La clemenza di Tito». Foto: Salzburger Festspiele/Ruth Walz
Heikle Mission
Aller Anfang ist schwer. Erst recht, wenn die Erwartungen sich überschlagen, vorfristig verteilte Lorbeeren eine Last zu werden drohen. Wenn zwischen ersehntem Anspruch und angestrebtem Aufbruch, zwischen Wunsch und Wirklichkeit eine Lücke bleibt. Nicht, dass der Neue, ein alter Bekannter eigentlich in der Hofstallgasse, vor seiner ersten Saison als Intendant der Salzburger Festspiele das Blaue vom Himmel herunter versprochen hätte.
Doch Markus Hinterhäuser, dem nachdenklich sanftstimmigen, gedankenblitzend traumseligen Anwalt der Moderne, diesem am Piano geschulten Endfünfziger, dessen legere Erscheinung eher an einen Bohemien als einen Manager denken lässt, eilte der Ruf des Erneuerers, ja des Befreiers voraus, der nach beliebig-betriebsamen Sommern unter Alexander Pereira und Sven-Eric Bechtolf endlich wieder Zug in das Fest am Mönchsberg bringen werde – geistig, ästhetisch, programmatisch. Und dabei an die antike, in Max Reinhardts Gründungsaufruf beschworene Idee eines Ortes der reflektierenden Anschauung, einer dem «Alltagsgetriebe» enthobenen Konzentration auf große Musik und großes Theater anknüpfen würde. An die Utopie einer durch wildes Denken und formbewusste Fantasie ...
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Opernwelt September/Oktober 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Albrecht Thiemann
Wer die Musiktheaterszene im Vereinigten Königreich verfolgt, weiß, dass zumindest ein Zweig der Branche kräftig austreibt: die «country house opera». Glyndebourne, das 1934 den Anfang machte, gibt bis heute den Ton an. Aber seit 1989 Garsington nachzog, haben allerhand andere Kompanien das Modell kopiert.
Dazu gehört auch die Grange Park Opera im Hampshire. Das...
Ich besuche Kirill Serebrennikov Anfang August in Kronstadt, auf der Petersburg vorgelagerten Ostseeinsel Kotlin. Der Ort ist als Schauplatz des Kronstädter Matrosenaufstands in die Geschichte eingegangen: Im Frühjahr 1921 forderten die Aufständischen unter dem Motto «Alle Macht den Sowjets – Keine Macht der Partei» die Rücknahme der Einparteiendiktatur und eine...
Gut möglich, dass all die Bearbeiter, Neu(ver)fasser, Zurechtstutzer, Simplifizierer ein Problem haben: Ihre Arbeit erzählt vielleicht mehr über sie selbst als über dieses Stück. Als ob man es Carl Maria von Weber übel nahm, dass er nach der «Euryanthe» mit dem «Oberon» einen Rücksturz in angeblich einfacher gestrickte Singspielzeiten erlitten habe. Die offene...
