«La clemenza di Tito». Foto: Salzburger Festspiele/Ruth Walz
Heikle Mission
Aller Anfang ist schwer. Erst recht, wenn die Erwartungen sich überschlagen, vorfristig verteilte Lorbeeren eine Last zu werden drohen. Wenn zwischen ersehntem Anspruch und angestrebtem Aufbruch, zwischen Wunsch und Wirklichkeit eine Lücke bleibt. Nicht, dass der Neue, ein alter Bekannter eigentlich in der Hofstallgasse, vor seiner ersten Saison als Intendant der Salzburger Festspiele das Blaue vom Himmel herunter versprochen hätte.
Doch Markus Hinterhäuser, dem nachdenklich sanftstimmigen, gedankenblitzend traumseligen Anwalt der Moderne, diesem am Piano geschulten Endfünfziger, dessen legere Erscheinung eher an einen Bohemien als einen Manager denken lässt, eilte der Ruf des Erneuerers, ja des Befreiers voraus, der nach beliebig-betriebsamen Sommern unter Alexander Pereira und Sven-Eric Bechtolf endlich wieder Zug in das Fest am Mönchsberg bringen werde – geistig, ästhetisch, programmatisch. Und dabei an die antike, in Max Reinhardts Gründungsaufruf beschworene Idee eines Ortes der reflektierenden Anschauung, einer dem «Alltagsgetriebe» enthobenen Konzentration auf große Musik und großes Theater anknüpfen würde. An die Utopie einer durch wildes Denken und formbewusste Fantasie ...
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Opernwelt September/Oktober 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Albrecht Thiemann
Götz Friedrich war fassungslos. Nein, das könne doch nicht wahr sein. Das sei eine Falschmeldung. Catarina Ligendza habe mit dem Singen aufgehört? So plötzlich? Mitten heraus aus den größten Erfolgen ihrer Laufbahn? Der mächtige Intendant und Regisseur, damals ebenfalls auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn, wusste genau, was das bedeutete – für seine «Ring»-Produktion...
Als gewichtige dramaturgische Instanz steht der himmlische Wetterbeauftragte Petrus an den Seebühnen-Spieltagen immer im Zentrum des Bregenzer Interesses. Ein künstlerisch und administrativ allerdings leider nicht befriedigend kontrollierbarer Faktor. So kursierte in den Stunden vor der «Carmen»-Premiere, als sich von Südwesten her drohend Wolkenberge türmten,...
Man kennt es: Ein Film läuft, das traurige Ende ist bekannt. Dennoch ist da die widersinnige Hoffnung, das Blatt werde sich noch wenden. Ganz ähnlich verhielt es sich bei der «Troubadour»-Premiere der Domstufen-Festspiele in Erfurt. Schon die Prognosen waren mäßig. Das Wetterradar zeigte riesige Regenwolken, von Süden herannahend. Die Theaterleitung hatte für den...
