Gut in Schuss
Hat jemand mal den durchschnittlichen Pulsschlag von Pilgern gemessen? Und den von Besuchern in Lusttempeln? Man sollte diese Ergebnisse mit der Schlagzahl vergleichen, die Marek Janowski als Tempovorgaben für seinen Tannhäuser gewählt hat. Um es nett auszudrücken: Zu langsam ist er nie. Anders gesagt: Janowski ist oft stramm unterwegs, kommt (fast) ohne Ruhephasen aus. Wenn er – etwa in der zweiten Szene des zweiten Akts – doch mal Pausen einlegt, wirken diese umso intensiver. Wie bisher in diesem Berliner Wagner-CD-Zyklus ist das Rundfunk-Sinfonieorchester gut in Schuss.
Einmal abgesehen davon, dass die Streicher hin und wieder Mühe mit dem für sie stellenweise höllisch schweren Part zu haben scheinen. Doch insgesamt stimmt die Balance der Instrumente, die Blechbläser sind organisch eingebunden, das ein oder andere schöne Holz-Solo dringt auch dort durch, wo sonst orchestraler Tumult herrscht. Als feste Größe bewährt sich einmal mehr der Rundfunkchor Berlin.
Die Titelpartie sollte eigentlich Torsten Kerl singen, doch kurzfristig sprang Robert Dean Smith ein. Ein Einsatz, der zwiespältige Eindrücke hinterlässt. Bei den Aufschwüngen in hohe Tonbereiche etwa fürchtet man um die ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Christoph Vratz
Aus Wagners Briefen geht hervor, dass er für das, was er als «die gemeinte Idealität des Affekts» bezeichnete, nicht weniger forderte als Selbstaufopferung. Der Gesangspädagoge Otto Iro sprach darob von «völliger Unkenntnis der Grundgesetze menschlicher Stimmfunktion». Wie maßlos Wagners Anforderungen waren, zeigte eine konzertante Aufführung des Rienzi, mit der...
Wer sich als Komponist an den Lyriker Nietzsche wagt, begibt sich auf heikles Terrain. Meist machen die Verse selbst schon so viel Musik, dass kein Raum für Vertonungen zu bleiben scheint. Pascal Dusapin (Jahrgang 1955) hat es auf Bitten des Baritons Georg Nigl dennoch versucht – und gleich einen ganzen Nietzsche-Zyklus für Stimme und Klavier geschrieben, der 19...
Meyerbeer starb während der Proben seiner Oper L’Africaine. So will es eine weit verbreitete «Homestory», die vom letzten Atemzug weiß, mit dem das Meisterwerk vollendet wurde. Sie setzte sich durch. Leider. Und so war lange und vielfach zu lesen, der am 2. Mai 1864 verstorbene Komponist habe ein Werk hinterlassen, das nur noch zu Ende geprobt und mit dem an der...
