Grüße aus Frankfurt

Donizetti und Dvořák zum Auftakt: Wie Bernd Loebe, der neue Chef der Tiroler Festspiele, Erl als Probebühne für den Ernstfall nutzt

Opernwelt - Logo

Ein Filialunternehmen? Dieses Gefühl möchte er den Inntalern natürlich nicht geben, sagt Bernd Loebe. Und doch fühlt, sieht und hört sich das sehr hessisch an, was in seinem ersten Programm bei den Tiroler Festspielen zu erleben war. Fast alle, ob Solisten, Dirigenten oder Mitglieder der Regie-Teams, haben irgendeine Beziehung zu Loebes Frankfurter Intendantenzentrale. Erl, so seine Politik, soll Spiel­wiese sein für den Ernstfall auf internationaler Ebene. Sei es, dass der Nachwuchs hier die Hauptrollenchance bekommt.

Sei es, dass sich eine Produktion warmläuft für die Übernahme nach Frankfurt.

Donizettis «L’elisir d’amore» ist so ein Fall. In der übernächsten Spielzeit soll die Inszenierung am Main zu erleben sein. Regisseurin Dorothea Kirschbaum, in Frankfurt unter anderem als Einspringerin bei «Eugen Onegin» getestet, verlegt das Stück mit Alexandre Corazzola (Bühne) und Dorothee Joisten (Kostüme) in einen ältlichen Mehrzweckraum mit Bar. Hier wird getanzt, hier treffen sich die Singles des Stadtviertels zum Speeddating, hier dehnen die Teilnehmer des Yoga-Kurses ihre Muskeln. Mit Esoterik-Angeboten kann man folglich verführt werden: Dulcamaras Elixire sind reinstes Wasser.

 ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Süffige Melodik, herbe Poesie

Christina Pluhar hat 2005 mit der Sopranistin Véronique Gens eine CD mit vokaler Kammermusik von Luigi Rossi (1597-1653) aufgenommen. Ein Rechtsstreit verhinderte damals das Erscheinen, nach dessen Beilegung die von Rossi begeisterte Pluhar sie jetzt um zwei weitere CDs mit Kantaten des diskografisch bislang nur unzureichend gewürdigten römischen Komponisten...

Outsider von heute

An «La Bohème» führt kein Weg vorbei; Puccinis Oper muss man einfach lieben. Ein Rührstück, gewiss, aber eines, dessen emotionale Kraft auch heute noch ungebrochen ausstrahlt. Im Theater Basel wird es unterstrichen durch das Sinfonieorchester der Stadt, das unter der Leitung der neuen Basler Musikdirektorin Kristiina Poska seine Funktion voll ausspielt – in...

Einsichten, Aussichten

Ist zu Beethoven nicht schon alles gesagt, erforscht worden? Keineswegs. In Bonn begab man sich zu seinem 250. Geburtsjahr auf eine Entdeckungsreise, die zwar keine revolutionär neuen Erkenntnisse, aber viele bislang unbekannte Facetten und Details aus dessen Leben und Werk zutage förderte. Ein Großteil des dokumentarischen Materials fand sich vor Ort in...