Grüße aus Frankfurt

Donizetti und Dvořák zum Auftakt: Wie Bernd Loebe, der neue Chef der Tiroler Festspiele, Erl als Probebühne für den Ernstfall nutzt

Opernwelt - Logo

Ein Filialunternehmen? Dieses Gefühl möchte er den Inntalern natürlich nicht geben, sagt Bernd Loebe. Und doch fühlt, sieht und hört sich das sehr hessisch an, was in seinem ersten Programm bei den Tiroler Festspielen zu erleben war. Fast alle, ob Solisten, Dirigenten oder Mitglieder der Regie-Teams, haben irgendeine Beziehung zu Loebes Frankfurter Intendantenzentrale. Erl, so seine Politik, soll Spiel­wiese sein für den Ernstfall auf internationaler Ebene. Sei es, dass der Nachwuchs hier die Hauptrollenchance bekommt.

Sei es, dass sich eine Produktion warmläuft für die Übernahme nach Frankfurt.

Donizettis «L’elisir d’amore» ist so ein Fall. In der übernächsten Spielzeit soll die Inszenierung am Main zu erleben sein. Regisseurin Dorothea Kirschbaum, in Frankfurt unter anderem als Einspringerin bei «Eugen Onegin» getestet, verlegt das Stück mit Alexandre Corazzola (Bühne) und Dorothee Joisten (Kostüme) in einen ältlichen Mehrzweckraum mit Bar. Hier wird getanzt, hier treffen sich die Singles des Stadtviertels zum Speeddating, hier dehnen die Teilnehmer des Yoga-Kurses ihre Muskeln. Mit Esoterik-Angeboten kann man folglich verführt werden: Dulcamaras Elixire sind reinstes Wasser.

 ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Wie aus einem Guss

Manchmal ist weniger mehr. Die Opéra Comique ist nicht die Pariser Nationaloper, Messagers «Fortunio» (1907) nicht «Pelléas et Mélisande», kurz zuvor am gleichen Haus uraufgeführt. Und die Sänger, die auf der Bühne stehen, sind (noch) nicht jene, deren Konterfeis auf den Soloalben der Major-Labels prangen. Doch was für ein durch und durch befriedigender, ja...

Zurück zu den Lebenden

Dieser Mann ist am Ende. Seine Perspektiven sind trist. Er leidet unter Halluzinationen und Todessehnsucht. Rettung scheint unmöglich, Therapie erst recht. Hat er es hinter sich?

Ja, es ist ein ernstzunehmendes, durchaus modernes Krankheitsbild, ein depressives Syndrom mit psychotischen Zügen, mit dem uns das lyrische Ich in Franz Schuberts «Winterreise»...

Editorial Februar 2020

Gender bending, gender crossing – es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis die Duden-Redaktion diese Begriffe dem deutschen Wortschatz zuschlägt. Längst sind sie dem akademischen Milieu ent- und in der Alltagssprache angekommen. So wie das inszenierte Spiel mit verkehrten oder gemischten Geschlechterrollen, die Lust auf androgyne Entgrenzung seit geraumer Zeit im...