Großes Klangkino
Das Schicksal ist zur Marke verkommen: Auf den Shirts von Manon Lescaut und Renato Des Grieux prangt das Wort «Destino». Will sagen: Bei der Liebe auf den ersten Blick richtet sich das Auge nicht mehr auf den Körper, sondern aufs Design. Stilistisch passt es zusammen, die Erotik wird sich schon einstellen. Dass es dann doch nicht gut geht, liegt vor allem am Markenfetischismus des Geldbeutels, dem sich auch Manon nicht zu entziehen vermag.
Puccinis Oper, die ihren Namen im Titel trägt, spielt am Theater Heidelberg im Mafiamilieu.
Zwielichtige Herren mit Sonnenbrillen verzocken ihr Geld in einem unter Straßenniveau liegenden Spielkeller. Oben liegt das Hotel, in dem das weibliche Fleisch vertickt wird, wo Lescaut (heldenbaritonal schön singend: Giorgos Kanaris) seine Schwester an den schmierigen Obermafioso Geronte (knarzig tönend: Wilfried Staber) verkauft. Die vor dem Spielklub lungernde Jugend möchte gern Teil dieser faszinierenden Halbwelt sein, muss sich aber mit musikalischen Unterhaltungsnummern begnügen, eine Art Gangnam-Style im Puccini-Rhythmus. Allerdings knirscht es im Gebälk, wenn die Lyrik von Des Grieux mit Puccinis Musik als Hip-Hop-Gezappel ausgeführt wird.
Dagegen ...
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Opernwelt November 2025
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Bernd Künzig
Dortmunds Oper ist in der Mitte der Stadt angekommen. Dass es seinem Intendanten Heribert Germeshausen gelungen ist, auch überregionale Aufmerksamkeit zu mobilisieren, zeigt sich bei der Saisoneröffnung mit der Premiere von Mozarts «Figaro»: Da spricht Ina Brandes, die Kultusministerin von Nordrhein-Westfalen ein Grußwort. Und Thomas Westphal, Oberbürgermeister der...
Die Premiere von Verdis «Simon Boccanegra» am 12. März 1857 im venezianischen Teatro La Fenice war, zumindest im Urteil ihres Schöpfers, ein «Fiasko». Das Stück enthielt, anders als die drei vorausgegangenen Meisterwerke «Rigoletto», «Il trovatore» und «La traviata», keine eingängigen, populären Melodien, war von düsterer Stimmung, zudem durch eine schwer...
Schon nach den drei ersten Akkorden von Puccinis «Tosca», den schlimmen Schlägen des Bösewichts Scarpia, ist klar: Das klingt nicht nach «Kammerfassung». Die muss man erwarten in der Stockholmer Folkoperan: Das Haus muss nicht nur ohne Seiten- und Hinterbühne auskommen, sondern auch ohne Orchestergraben. Die volle Puccini-Kapelle muss also mindestens gedrittelt,...
