Große Oper mit kleinen Leuten

Frisch aus Pesaro: Rossinis «La gazza ladra»

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Mit seiner 1817 uraufgeführten «Diebischen Elster» schuf Gioacchino Rossini sozialistisches Musiktheater, lange bevor es den Sozialismus gab: Die Heldin dieses melodramma, das Dienstmädchen Ninetta, stammt nicht bloß aus der untersten Gesellschaftsschicht, sondern nimmt für ihre Gefühle auch noch die große Arienform in Besitz, die bis dahin weitgehend der Upperclass vorbehalten war.

Tatsächlich ist das auf einer wahren Begebenheit beruhende Stück eine einzige Anklage gegen obrigkeitliche Willkür und handelt dreieinhalb Stunden lang von Standesdünkel, Korruption und unmensch­licher Justiz. Die Zeitgenossen Rossinis dürften sich durchaus der Tatsache bewusst gewesen sein, dass die Geschichte im reaktionären Klima der postnapoleonischen Ära auch ohne das in allerletzter Minute herbeigeführte lieto fine enden könnte.
Trotz ihres putzigen Titels gehört die «Els­ter», deren zweiter Akt übrigens durchweg an so tristen Schauplätzen wie Kerker, Gerichtssaal und Schafott spielt, in das geistige Umfeld von Beethovens «Fidelio». Tatsächlich könnte man im Bühnenbild der letztjährigen Inszenierung im Palasport von Pesa­ro auch problemlos Beethovens Befreiungsoper spielen: Der italienische ...

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Opernwelt August 2008
Rubrik: DVDs, Seite 59
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
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