Griechische Passion
Athens Megaron ist nicht irgendein Ort, um «Elektra» zu spielen. Das historische Mykene liegt nur eineinhalb Autostunden entfernt. Wenn die Mythe nicht lügt (was sie laut Ernst Bloch gern tut), dann kann man sich dort das Badezimmer vorstellen, in dem Agamemnons Schädel gespalten wurde – von seiner Frau. Hügelabwärts liegen die Tholosgräber der Atridensippschaft. Was Heinrich Schliemann hier fand, ist in Athens Nationalmuseum ausgestellt. Besonders natürlich jenes hauchdünne Goldporträt, das er für die Maske des Agamemnon hielt.
In den Südhang der Akropolis schmiegt sich das Dionysos-Theater. Dort kam die grausame Logik des Elektra-Stoffes erstmals auf eine Bühne. Sophokles forderte mit seiner Radikalversion Dutzende von Bearbeitern heraus, darunter Voltaire, Giraudoux, Sartre, Gerhart Hauptmann und Hofmannsthal. Des Letzteren psychologisch hochgerüstete Version wiederum war ein gefundenes Fressen für Richard Strauss, der nicht nur das Selbstbild des «griechischen Germanen» pflegte, sondern mit malträtierten Köpfen bereits Erfahrung und Erfolg gesammelt hatte: Nur ein Stoff wie «Elektra» konnte «Salome» toppen. Von den vier Theatersälen, über die Athens Kultur- und ...
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