Nichts für Vampire: Lenneke Ruiten als Giunia in Brüssel; Foto: Bernd Uhlig
Gothic Seria
Musik eines 16-Jährigen, man fasst es ja immer wieder nicht. Und zu hören ist nicht nur, wie der Wunderknabe für seinen zweiten Mailänder Auftritt die Konventionen der Seria zwar nicht sprengte, aber wohl ausreizen, übertreffen, ja umrunden wollte. Deshalb schrieb er noch wahnsinnigere Rouladen, ausgreifendere Läufe, wildere Volten und steilere Sprünge in das Schema dieser Staats- und Liebesaktion hinein, in der es, einmal mehr, darum geht, dass ein Gewaltherrscher lernen muss, sich selbst zu beherrschen.
Silla liebt Giunia, die aber seinen Feind Cecilio; Anschläge gehen fehl, am Ende allseitige Begnadigung.
Das wollen wir vielleicht hören, aber sicher so nicht mehr sehen. Tobias Kratzer, dem Regiewunderknabenalter bald entwachsen, findet die brisanten Jetztzeitparallelen – ein schwer narzisstisch gestörter Obermachthaber, der Amt und Privates nicht auseinanderhalten kann – so offenkundig, dass er uns einen Donald Silla erspart. Die Fantasie entzündete sich an den abgründigen Ombra-Szenen, Geistergesprächen auf dem nächtlichen Friedhof, für die sich Mozart bei seinem (wie es heißt nekrophil veranlagten) Librettisten Da Gamerra inspirieren ließ. Rainer Sellmaier hat einen ...
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Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Holger Noltze
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Diese Farben! In allen Nuancen schillern, weben, leuchten sie aus Leos Janáčeks Natur. Morgenrot und Abendgold, Mondweiß und Sonnengelb, Waldgrün und Himmelblau. Das Leben ist bunt hier, voller Überraschungen und Kontraste. Ein sinnenpralles Mosaik, das in keinen Rahmen passt. Genau so klingen «Die Abenteuer der Füchsin Bystrouschka», jene 1924 in Brno...
Neue Musik für oder mit Stimme – das ist der gemeinsame Nenner. Sonst haben die drei CDs wenig gemein. Die Sopranistin Sarah Maria Sun wirkt zwar gleich bei zwei der hier vorgestellten Produktionen mit. Doch das vergleichende Hören zeigt einmal mehr die (nicht mehr ganz so neue) Unübersichtlichkeit gegenwärtigen Komponierens an.
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