Götzendämmerung in der Wüste

Basel, Weill: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny

Opernwelt - Logo

Darauf war man gespannt: wie Nigel Lowery, kaum dass «Katrina» ab­geklungen war, «seinen» Hurrikan auf Mahagonny zurasen lässt. Dass seine Arbeit an «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» bereits fortgeschritten war, als die Jahrhunderttragödie über New Orleans hereinbrach – gewiss. Dass ihm – vor lauter Schreck? – außer einer sich ängstlich zusammenrottenden und ärgerlich schlecht geführten «Menge» in albernen Regenhäuten nicht eine zündende Idee eingefallen ist, mutet dennoch enttäuschend an.


Lowery, der Regisseur und Ausstatter, ist acht Jahre nach seinem skandalträchtigen «Hänsel und Gretel»-Überfall Basels anhänglichster Opernunruhestifter. Und auch diesmal lässt er sich, wiewohl so brav wie lange nicht, in puncto Überraschungen nicht lumpen, sobald erst mal auf einer Leinwand eine mannshohe Ratte dem Unwesen ihrer Artgenossen zwischen den Wolkenkratzern präludiert und das Sündenbabelgründungstrio sich in silbrigem Astronauten-Outfit durch den Bühnenboden wie auf den Mond heraufgearbeitet hatte. Dort bewegt es sich fortan in Arztkitteln. Indes, der Mond ist schon bewohnt, eine (Platten-)Baustelle, deren monitorreiche Schaltzentrale bald angeworfen ist.
Natürlich, es setzt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2005
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Heinz W. Koch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Nichts ist, was es scheint

Im Foyer des Theaters an der Wien gleich neben dem Kartenbüro ist jenes Zimmer eingerichtet, in dem Beethoven wohnte, als er für den Direktor Schikaneder dessen Drama «Vestas Feuer» in Musik zu setzen suchte, und später, als er unter Schikaneders Nachfolger Zitterbarth am «Fidelio» für die Uraufführung des Werks im Jahre 1805 arbeitete.
Zweihundert Jahre danach bot...

Finaler Rettungsschuss

«Guillaume Tell» gehört zu den Schlüsselwerken der Operngeschichte des 19. Jahrhunderts. Rossini hat mit diesem 1829 für Paris komponierten Werk den entscheidenden Schritt über Spontini und Auber hinaus zu jenem Gesamtkunstwerk aus Wort, Musik, Tanz und Szene getan, das dann als Grand Opéra Schule machen sollte. Das von Rossini selbst entscheidend beeinflusste...

Über den Dächern von Paris

Die Riesenbühne der Pariser Bas­tille-Oper lädt zu großen Bild­visionen ein. Warum nur, wie’s im Textbuch steht, eine enge nächtliche Straße mit schäbiger Taverne im Hintergrund, wenn man sich gleichsam das ganze Paris in Form einer Landschaft aus Dächern, Kaminen, hohen Mietskasernen im Hintergrund und unter einem nachthellen Himmel auf die Szene zaubern kann?...