Glücksgriff
Harold Rosenthal, langjähriger Herausgeber des englischen Fachblattes «Opera», war enthusiasmiert, als er im Juli 1960 in einer Studentenproduktion der London Royal Academy of Music die Uraufführung des Auftragswerks «The Lodger» («Der Untermieter») von Phyllis Tate hörte. Er nannte es die beste Erstlingsoper seit Brittens «Peter Grimes» und erteilte ihm so einen Ritterschlag, der – sollte man meinen – für eine rege Verbreitung hätte sorgen sollen. Aber es kam anders.
Zwar sendete die BBC 1964 eine Rundfunkaufnahme des «Lodger», die heute als historisches Dokument auf CD (Lyrita) erhältlich ist, und 1965 folgte eine konzertante Vorstellung im Rahmen des St. Pancras Festivals, 1970 noch einmal eine Aufführung von Studenten. Doch dann war Schluss, für fast ein halbes Jahrhundert. Bis man sich in Bremerhaven des «Lodger» entsann und ihm die weltweit erste szenische Version auf einer professionellen Bühne zuteil werden ließ. Ein Glücksgriff.
Da ist zunächst einmal die ungemein bühnenwirksame Handlung, angesiedelt im Londoner East End des späten 19. Jahrhunderts: Ein Mörder, genannt Jack the Ripper, schleicht unerkannt durch die Nebelnächte, um sich an seine weiblichen Opfer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Da sitzt er an der Orgel, im ersten Theater auf diesem Grund.» Der Operndirektor der Londoner Royal Opera schreitet sein Büro ab und erzählt von einer geplanten Händel-Serie. Die Bilder hat Oliver Mears sorgsam ausgewählt: Sie sagen viel aus über ihn, seine Suche nach einem Profil für Covent Garden. «Beggar’s Opera», Theaterbrand, Wiederaufbau. Mears...
Mit den ersten Moll-Akkorden der Ouvertüre, den prominent auffahrenden, in diesem Werk so wichtigen Paukenwirbeln, ist alles entschieden: Es sollte ein orchestral phänomenaler Premierenabend in Frankfurt werden. Antonino Fogliani, der mit kreisender, aber deutlicher Gestik an gute alte italienische Kapellmeistertradition erinnerte, an Dirigenten wie Giuseppe...
Der Schwarzwaldfluss Enz, bei Wildbad noch eher ein Gebirgsbach, durchfließt nicht nur romantische Wälder und Auen, sondern säumt auch heftige Industrielandschaft. Diese konzentriert sich vor allem in Pforzheim, der traditionellen «Goldstadt», deren Reichtum heute wohl «Arbeit» heißt. Dieser Reichtum korrespondiert mit der Armut an altehrwürdiger Bausubstanz, die...
