Glück aus dem Graben
«Die Sitze sind eng, hölzern hart und bemerkenswert unbequem», urteilte der Reiseschriftsteller Horst Krüger 1987 über den «Arbeitsplatz» der Zuschauer im Bayreuther Festspielhaus. Es muss also schon etwas mit den Inhalten zu tun haben, wenn das Publikum nach einer rund sechsstündigen Aufführung emphatisch einen Künstler bejubelt. Und natürlich dessen Leistung. So wie nach der «Tristan»-Wiederaufnahme. Als Christian Thielemann vor den Vorhang tritt, sind alle Strapazen vergessen. Der ganze Saal feiert den Dirigenten, und der – Thielemann bleibt Thielemann – auch sich selbst.
Jedenfalls zelebriert er die zahlreichen Vorhänge, lockt scheinheilig auch noch das zuvor ausgebuhte Regieteam um Katharina Wagner auf die Bühne. Vorhersehbar ohne Erfolg: Das über die Festspielleiterin hereingebrochene Unmutsgewitter war heftig ausgefallen.
Man kann sich da kurz fassen. Kathrina Wagners Inszenierung bleibt auch im zweiten Jahr unbefriedigend. Etwas klarer strukturiert ist der erste Aufzug, im zweiten sehen wir weiterhin eine faschistoide Versuchsanordnung mit tragikomischen Suizidversuchen des Liebespaares. Und der dritte wirkt ob seiner Eindimensionalität erschreckend unreif – Tristan erlebt ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Alexander Dick
Der bei Con Brio erschienene Band «Wahnfried. Das Haus Richard Wagners» ist keineswegs, wie man vermuten könnte, ein Katalog der aktuellen Dauerausstellung samt entsprechender Einführung. Sven Friedrich, der amtierende Leiter des Museums, kommt gar nicht zu Wort. Die Herausgeber Markus Kiesel und Joachim Mildner suchen stattdessen die Außenperspektive – durchaus in...
«Wagners Leben ist so oft erzählt worden, dass es nicht mehr erzählbar ist.» Das ist kein Stoßseufzer aus dem Jubiläumsjahr 2013, in dem zu Richard Wagners 200. Geburtstag erwartungsgemäß eine erhebliche Welle an (auch unerheblicher) Literatur über uns hereinbrach. Nein, Carl Dahlhaus urteilte so vor 45 Jahren in der Einleitung zu seinem Band über die Musikdramen....
Als es ans Sterben geht, wird es feucht. Nicht nur in den Augen mancher Zuhörer, sondern auch am Himmel. Doch der Wettergott hat ein Einsehen, es tröpfelt nur ein wenig. Keiner der 2000 zahlenden Besucher und der 20 000 erwünschten Zaungäste muss weichen, ehe Violetta Valery ihr Leben ausgehaucht hat. Niemand möchte missen, was Marina Rebeka zu singen hat....
