Global denken, lokal handeln
Mehr als 2000 Besucher haben allein die Ausstellung über den Schriftsteller Yukio Mishima in der Bibliothèque nationale et universitaire gesehen. Eva Kleinitz ist merklich stolz, wenn sie die Zahl nennt. Bedeutet es doch, dass ihr Konzept aufgegangen ist: die Institutionen der Stadt Straßburg einzubinden in die erste Ausgabe des Festivals Arsmondo. Seit dieser Saison ist Kleinitz – nach Stationen in Bregenz, Brüssel und zuletzt als Operndirektorin in Stuttgart – neue Generalintendantin der Opéra national du Rhin.
Das Festival gehörte schon bei ihrer Bewerbung zu den Kernideen für das Haus. Einmal im Jahr soll sich ganz Straßburg, diese in vieler Hinsicht so europäische Stadt an der Grenze zwischen Deutschland und Frankreich, mit der Kultur eines außereuropäischen Landes beschäftigen. Dass die Wahl für die Erstausgabe auf Japan fiel, lag nahe für Kleinitz, die sich vor 17 Jahren in, wie sie sagt, «Land und Leute» verliebt hat und selbst etwas Japanisch spricht. Also konnte man nun den ganzen März lang beispielsweise japanische Filme in einem Straßburger Programmkino sehen, fand in der Universität das erste akademische Kolloquium in Europa zum vielgelesenen Haruki Murakami statt, ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 84
von Michael Stallknecht
Der Sprung aus dem Einst in die Gegenwart – wie oft gelingt er nur mit Verlust, verfehlt sein Ziel und lohnt den Aufwand nicht. Anders in Basel, bei Sergej Prokofjews Dostojewski-Musikalisierung «Der Spieler». Da darf mit Fug und Recht von der wohlgeratenen Umbettung eines Werks die Rede sein. Wer jetzt mit der späten Schweizer Erstaufführung konfrontiert ist, muss...
Herkulesaufgabe? Sisyphusarbeit? Man darf sich in der Beschreibung von Christian Merlins Jubiläumsgabe zur 175. Wiederkehr des Geburtstags der Wiener Philharmoniker durchaus aus dem Mythos der Antike bedienen. Natürlich könnte man auch Goethe zitieren: «Nur das Leichtere trägt auf leichten Schultern den Schöngeist. Aber der schöne Geist trägt das Gewichtige leicht...
Bett-Szenen haben in der Oper viele Gesichter. Erotik kann dabei eine Rolle spielen, muss aber nicht. Wenn ja, dann ist es um die Beziehung nicht wirklich gut bestellt: Sie geht über Leichen (Poppea und Nerone), dient als Mittel zum Zweck (Samson und Dalila), hat mit Ausweglosigkeit zu tun (Katerina und Sergei), ist am Zerbröseln (Marie Theres’ und Octavian),...
