Atemlos dem Ende zu: Helene Schneiderman (Neris) und Cornelia Ptassek (Medea); Foto: Thomas Aurin
Gespielte Normalität
Die Tragödie beginnt als brillante Soap. Hochzeitsparty ist angesagt. Die Stimmung in der heruntergekommenen Wohnküche, die Johannes Leiacker quer auf die Bühne platziert hat, so dass ihre Spitze über den Orchestergraben ragt, treibt dem Höhepunkt zu. Die schon angetrunkenen Gäste bespaßen das Brautpaar Kreusa und Jason. Der übergriffige Brautvater Kreon – Shigeo Ishino spielt und singt ihn als Ekelpaket – fällt ständig aus der Rolle.
Nur Kreusa beschleicht ein Unbehagen, wenn sie an ihre verstoßene Vorgängerin denkt, und sich in einem Anfall von Hysterie in der Besenkammer einschließt. Jason gelingt es, ihre trüben Gedanken zu verscheuchen. Mehrfach klingelt es – Boten liefern Geschenke ab, die gierig ausgepackt werden. Beim fünften Klingeln steht nicht der Paketdienst, sondern Medea vor der Tür, eine Erscheinung aus einer anderen Welt: eine Punkerin in Stiefeln, zerrissenen Strümpfen, bodenlangem weinroten Samtkleid, übergeworfenem Militärmantel, fordert sie Rechenschaft von ihrem Ex. Der Schrecken, den Medea in der bunt kostümierten Spaßgesellschaft auslöst, weicht bis zum blutigen Ende nicht mehr.
Nach diesem frivolen Schock, der zeigt, dass hier nicht nur die Wohnküche in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Uwe Schweikert
JUBILARE
Der russische Bass Jewgenij J. Nesterenko kam in Moskau zur Welt und absolvierte seine Gesangsausbildung bei Vasily Lukanin in Leningrad, wo er 1963 an der Maly-Oper als Gremin in Tschaikowskys «Eugen Onegin» debütierte. Mit dem Gewinn des internationalen Tschaikowsky-Wettbewerbs 1970 begann seine langjährige Karriere. Der Sänger wurde ein Jahr später ans...
Die Jungen, die Erstgeborenen, sollen sterben. So befiehlt es König Nimrod. Da sitzt nun der junge Abraham in seinem Drahtzimmerkubus versteckt und klagt. Isolation in der Berghöhle. Doch ganz lässt sich die Welt nicht aussperren, Fetzen ihrer selbst dringen durch zu Abraham, dem Religionsvater. So formt sich sein Weltverständnis und die Gewissheit vom einen Gott. ...
Manchmal kann man sich nur wundern, wie lange in den Schallarchiven der Rundfunkanstalten unerhörte Schätze lagern. Wenn sie endlich ans Licht kommen, steckt oft eine Mischung aus Zufall, Enthusiasmus und Kennerschaft hinter den Bergungsbemühungen. Und die Risikobereitschaft eines Überzeugungstäters, der eine an Originalität und Qualität ausgerichtete Mission...
