Atemlos dem Ende zu: Helene Schneiderman (Neris) und Cornelia Ptassek (Medea); Foto: Thomas Aurin

Gespielte Normalität

Peter Konwitschny inszeniert an der Oper Stuttgart Cherubinis «Medea» als Drama internalisierter Gewalt – mit Cornelia Ptassek in der Titelrolle

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Die Tragödie beginnt als brillante Soap. Hochzeitsparty ist angesagt. Die Stimmung in der heruntergekommenen Wohnküche, die Johannes Leiacker quer auf die Bühne platziert hat, so dass ihre Spitze über den Orchestergraben ragt, treibt dem Höhepunkt zu. Die schon angetrunkenen Gäste bespaßen das Brautpaar Kreusa und Jason. Der übergriffige Brautvater Kreon – Shigeo Ishino spielt und singt ihn als Ekelpaket – fällt ständig aus der Rolle.

Nur Kreusa beschleicht ein Unbehagen, wenn sie an ihre verstoßene Vorgängerin denkt, und sich in einem Anfall von Hysterie in der Besenkammer einschließt. Jason gelingt es, ihre trüben Gedanken zu verscheuchen. Mehrfach klingelt es – Boten liefern Geschenke ab, die gierig ausgepackt werden. Beim fünften Klingeln steht nicht der Paketdienst, sondern Medea vor der Tür, eine Erscheinung aus einer anderen Welt: eine Punkerin in Stiefeln, zerrissenen Strümpfen, bodenlangem weinroten Samtkleid, übergeworfenem Militärmantel, fordert sie Rechenschaft von ihrem Ex. Der Schrecken, den Medea in der bunt kostümierten Spaßgesellschaft auslöst, weicht bis zum blutigen Ende nicht mehr.

Nach diesem frivolen Schock, der zeigt, dass hier nicht nur die Wohnküche in ...

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Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Uwe Schweikert

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