Geschlossene Gesellschaft
Ich war zehn. Ich dürfe, sagte mein Vater, meine Mutter abends in die Operette begleiten: Abonnement-Gastspiel des Städtebundtheaters aus Hof mit dem «Vogelhändler» von Carl Zeller. Ich kannte die Musik, weil im elterlichen Hause viel Operette gehört wurde und, ja, ich mochte sie. Kurzum, ich freute mich auf meinen ersten abendlichen Theaterbesuch. Es sollte der Beginn einer wunderbaren Beziehung werden – zu einer sich mitunter recht mondän, mitunter recht albern, manchmal auch ein bisschen peinlich gebärdenden Dame.
Über die man damals, Ende der 1960er-Jahre, einmal mehr befand, sie sei schon längst tot. Gäbe es eine Steigerungsform von tot, so müsste man heute, ein halbes Jahrhundert danach, konstatieren: Sie ist noch toter als tot. Klingt nach dem Refrain eines – noch zu schreibenden – Operettenchansons. Und so gar nicht nach einer Renaissance der Gattung, auch wenn von dieser, mitunter, die Rede ist. Wie auch derzeit wieder. Versuch einer Abwägung
Niedergangsszenarien
Zunächst: Dass jemand mit Operettenmusik aufwächst und sich auch noch an ihr delektieren kann, war auch vor 50 Jahren bereits die Ausnahme. Auf der intellektuellen Seite hatten kulturwissenschaftliche Vordenker ...
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Opernwelt Juli 2021
Rubrik: Focus Spezial, Seite 24
von Alexander Dick
Forschersinn
Seine Liebe gilt der Alten Musik, ihrer (womöglich) wahren Gestalt. Seit dem Tag im Jahr 1974, als Jordi Savall mit Freunden das Ensemble Hespèrion XX gründete (das inzwischen Hespèrion XXI heißt), sucht der katalanische Musikwissenschafter und Gambist nach den Urklängen, nach dem Historisch-Authentischen. Am 1. August feiert er seinen 80. Geburtstag....
Ach, die glückliche Schweiz. Hat die Opernhäuser später zugesperrt als Deutschland, nämlich im Dezember, und machte sie auch früher wieder auf, wenn auch mit radikal beschränkten Zuschauerzahlen. Aber noch wichtiger ist, was sie spielen: Im Mai konnte man in einer Produktion des Zürcher Opernhauses ein hochinteressantes Regiedebüt erleben. Und in St. Gallen ein...
Drei Frauen. Vereint im Leiden an der Welt, an der Liebe, an den Männern. Sämtlich suchen sie ihr Seelenheil im sehnenden, flehenden Gebet, für das Giuseppe Verdi und Pietro Mascagni ihnen die ergreifendste Musik auf die Stimmbänder geschrieben haben; eine Musik, die in dünner Höhenluft schwelgt und schwelt, und das, wenn man so will, chromatisch ansteigend. Verdis...
