Gerettet und gerichtet
Die Bitte ist bündig, und sie ist unverhohlen drastisch: «Satan, herbei!», so prangt es auf dem winddurchtosten Banner vor dem Theater, und so steht es auch auf der Umschlagseite des Programmheftes zu Gounods «Faust». Verwundern darf dies nicht angesichts des maladen Zustands, in dem sich der tragische Titelheld anfangs befindet. Am Tropf hängt Doktor Faust, die Haare schlohweiß, das Krankenhemd zerknittert, die Seele vergiftet. Und Parkinson schüttelt ihn auch noch. So kann, so will er nicht weiterleben.
Doch die Hilfe steht schon bereit, in Gestalt eines geschniegelten, existenzialistisch schwarz gewandeten (und auch so klingenden) Méphistophélès. Einsam aber ist Valentin Anikin, einziger Gast in dieser Produktion, keineswegs. Fünf identisch aussehende Gehilfen assistieren ihm, was allein schon deswegen Sinn macht, weil sie – nachdem Faust, den Kwonsoo Jeon mit stupender Expressivität singt, seinen Verjüngungstrank zu sich genommen hat – ihn still und heimlich von seiner Perücke befreien, ihm einen schicken azurblauen Anzug mit weißem Hemd überstülpen und quasi im Vorübergehen noch die schöne Margarete als Traumbild vorführen können.
Also frisch in die Welt hinein mit den beiden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Jürgen Otten
In den 1980er-Jahren ist es nicht schlecht bestellt um die walisische Musiktheaterszene. Die Welsh National Opera rollt Wagners «Ring» aus, fordert ihr Publikum mit Inszenierungen wie Ruth Berghaus’ «Don Giovanni» oder Harry Kupfers «Fidelio», gewinnt Charles Mackerras als Musikchef, kurz, macht sich international einen Namen. Doch ums zeitgenössische Repertoire...
Schon sein erster Ausflug ins Reich der Operette war ein Riesenerfolg. Das 2014 veröffentlichte Album «Du bist die Welt für mich» verkaufte sich 215 000-mal. Weil sich Jonas Kaufmann auf die Jahre 1925 bis 1935 beschränkte, also auf die bronzene Ära des Genres, hatte Sony damals vor allem den deutschsprachigen Markt im Blick. Jetzt aber ist die ganze Welt die...
Weder Oper noch Oratorium. Nicht für die Bühne noch für sakrale Räume gedacht, sondern als «Dichtung» für den Konzertsaal. Robert Schumann stellte sich für das 1843 mit großem Erfolg in Leipzig uraufgeführte Werk «heitere Menschen» vor. «Das Paradies und die Peri»: eine unvergleichliche Komposition, inspiriert durch das erstmals 1817 erschienene Epos «Lalla Rookh»...
