Gerettet und gerichtet
Die Bitte ist bündig, und sie ist unverhohlen drastisch: «Satan, herbei!», so prangt es auf dem winddurchtosten Banner vor dem Theater, und so steht es auch auf der Umschlagseite des Programmheftes zu Gounods «Faust». Verwundern darf dies nicht angesichts des maladen Zustands, in dem sich der tragische Titelheld anfangs befindet. Am Tropf hängt Doktor Faust, die Haare schlohweiß, das Krankenhemd zerknittert, die Seele vergiftet. Und Parkinson schüttelt ihn auch noch. So kann, so will er nicht weiterleben.
Doch die Hilfe steht schon bereit, in Gestalt eines geschniegelten, existenzialistisch schwarz gewandeten (und auch so klingenden) Méphistophélès. Einsam aber ist Valentin Anikin, einziger Gast in dieser Produktion, keineswegs. Fünf identisch aussehende Gehilfen assistieren ihm, was allein schon deswegen Sinn macht, weil sie – nachdem Faust, den Kwonsoo Jeon mit stupender Expressivität singt, seinen Verjüngungstrank zu sich genommen hat – ihn still und heimlich von seiner Perücke befreien, ihm einen schicken azurblauen Anzug mit weißem Hemd überstülpen und quasi im Vorübergehen noch die schöne Margarete als Traumbild vorführen können.
Also frisch in die Welt hinein mit den beiden ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Jürgen Otten
«Der Ruhm mag verschwinden, die Vergessenheit währt ewig.» Der Satz, dem Philosophen Arthur Schopenhauer zugeschrieben, beschreibt das Los längst im Fundus verschwundener Werke, die plötzlich als «Meisterwerke», nicht selten als «sträflich vergessene» Meisterwerke geadelt werden. Umso schöner, wenn sich Festivals oder auch kleinere Bühnen nicht damit begnügen, nur...
Frau Pluhar, vor vier Jahren haben Sie in Utrecht «Dido and Aeneas» von Henry Purcell dirigiert, eine ziemlich schräge halbszenische Aufführung. Dürfen die Besucher im Schlosstheater Schwetzingen Ähnliches erwarten?
Damals gab es lediglich eine konzertante Aufführung. Es freut mich natürlich, dass unsere zugegebenermaßen unkonventionelle Interpretation von «Dido...
Ein Kriegsschauplatz irgendwo im Mittleren Osten: westliche Einsatztruppen im Gefecht mit muslimischen Guerilla-Kämpfern. Bilder, wie man sie – allerdings ohne die pseudo-ethnischen Balletteinlagen der Choreografin Rebecca Howell – weidlich aus der Berichterstattung internationaler TV-Nachrichtensender kennt. An der Mailänder Scala tauschen diplomatische Gesandte...
