Kugelsicher: Dshamilja Kaiser (Penthesilea); Foto: Thilo Beu
Gegen den Wind
Bemitleidenswerte Masse. Wo sie in Erscheinung tritt, wird sie, den Bereich der Physik ausgenommen, kritisch unter die Lupe genommen, von Arendt bis Canetti, von Le Bon bis Reich. In seinem Text «Im Schatten der schweigenden Mehrheiten» aus dem Jahr 1978 hat Jean Baudrillard das Phänomen auf den Punkt gebracht. Die Masse sei «Nullpunkt des Politischen», sie sei «stärkeres Medium als alle Medien». Dass der französische Soziologe im Programmheft zur Bonner «Penthesilea» zitiert wird, verwundert wenig. Der Stoff bietet sich dafür an. Und auch der Regisseur.
Für Peter Konwitschny war die Ausgrenzung, die Destabilisierung des (zumal weiblichen) Individuums immer ein zentrales Thema. Othmar Schoecks Einakter passt deswegen zu ihm. Konwitschny verzichtet dabei gänzlich auf Illusion. Der Kampf zwischen Penthesilea und dem Volk, die intensiv-existenzielle, körperliche Verstrickung der Amazonenkönigin mit dem griechischen Kriegshelden Achilles findet bei ihm in einer Art Boxarena statt, als Fernsehshow, hautnah. Die Zuschauer (der hochengagierte Chor und Extrachor der Oper Bonn), festlich gekleidet, als wären sie Teil einer glänzenden Abendunterhaltung, an der sie aber real teilnehmen als ...
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Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Jürgen Otten
Bevor Wagner in Wahnfried einziehen und das Festspielhaus in Dienst nehmen konnte – er arbeitete damals an der Instrumentation der «Götterdämmerung» –, hatte er mit vielfältigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Sie hallen in den (mindestens) 321 Briefen nach, die der Komponist 1873 schrieb. Mit dem 25. der auf 35 Bände angelegten Ausgabe sämtlicher Briefe Wagners...
Die Teenies mit den Widerhaken, die durchtriebenen Verzierungsschleudern – sie passen nicht zu ihr. Viele Gründe hat das. An der feinherben Bühnenpräsenz liegt es, vor allem aber an einer Stimme, die eher nach Dame klingt und auch nach distanzierter Tragödin. Dabei wurde Marina Rebeka bei Rossini sozialisiert, wie sie im «Opernwelt»-Interview sagte (OW 9-10/2017)....
Auch nach der Rückkehr der Berliner Lindenoper ins Stammhaus bleibt die Programmschiene der Schillertheater-Werkstatt mit neuesten Kammeropern erhalten. Die «Neue Werkstatt» befindet sich im Intendanzgebäude und ersetzt den Charlottenburger Hinterhofcharme durch modernisierten Klassizismus: strenge Säulen einerseits, variables Raumkonzept andererseits.
Eröffnet...
