Gegen den Strom
Herr Solte, wir hören immer, mit Klassik-CDs könne man heute kaum noch Geld verdienen. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein eigenes Label zu gründen?
Ich bin da ja nicht der Einzige, in den letzten Jahren sind einige spannende Labels entstanden. Man macht das bestimmt nicht, um schnell reich zu werden, sondern aus Begeisterung für Musik, die man gut findet. Muss das sein? Es muss sein.
Finanzierung, Produktion, Vertrieb, Verwaltung – stemmen Sie das allein?
Nicht ganz.
Die minimalistische Gestaltung der Booklets und Verpackung zum Beispiel hat ein Grafiker entworfen, den ich seit Langem kenne. Er hat sieben Jahre in Japan gelebt und steht für eine Ästhetik des Wesentlichen.
Silberscheiben in Schachteln aus grauem Karton, alle Cover gleich und ohne Künstlerfotos – winkt der ohnehin überfüllte Markt da nicht gleich ab?
Ich wollte diese radikale Reduktion. Die Aufmerksamkeit soll auf das Eigentliche, die Musik gelenkt werden. Und: Alle Werke sollen gleichwertig behandelt werden, egal ob sie vor zwei Jahrhunderten oder vor zwei Jahren komponiert wurden.
Schon mit der ersten Veröffentlichung, einer zeitgenössischen Kammeroper – «Kopernikus» von Claude Vivier –, sind Sie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2018
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Albrecht Thiemann
Am Bielefelder Theater kümmert man sich noch liebevoll um seine Premierenabonnenten. Weil nicht jeder wissen kann, dass ein Bühnenwerk von zweieinhalb Stunden Dauer wie «Das Rheingold» ohne Pause gespielt wird (zweifelsohne eine gezielte Gemeinheit Wagners gegen die gesellschaftlichen Usancen seiner Zeit), wird an der Bar empfohlen, vor dem Ereignis schnell noch...
«Was für ein buntes Publikum!», ruft Feuerwehr-Käpt’n Shaw mit Blick auf die grauen Löckchen im Saal, wo – typisch Matinee! – schaler Kaffeeatem und weihrauchlastige Parfüms die Luft verdicken. «Ich sehe das Bürgertum – und die gehobene Mittelschicht. Ein wahrer Schmelztiegel!» Die Mittelschicht jauchzt entzückt. Bissiges für alle, Sarkasmus ohne Ende: Der Ton ist...
JUBILARE
Kerstin Meyer kam 1928 in Stockholm zur Welt. Am Königlichen Konservatorium ihrer Heimatstadt studierte sie Gesang bei Adelaide von Skilondz und setzte ihre Ausbildung am Salzburger Mozarteum, in Rom, Wien und New York fort. Ihr Debüt gab die Mezzosopranistin 1952 als Azucena in Verdis «Il trovatore» an der Royal Swedish Opera. Dem Haus blieb sie während...
