G'schnitt'ne Nudeln

Simon Rattle und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks erfreuen uns mit Mozarts «Idomeneo»

Opernwelt - Logo

Auf dem Cover seiner Einspielung des «Idomeneo» scheint Simon Rattle – mit geschlossenen Augen, Daumen und Zeigefinger der rechten Hand zur Geste des «Superb!» geformt – verzückt ein delikates Gericht zu verkosten. Assoziativ denkt man an Wolfgang Hildesheimers Befremdung (in seiner Mozart-Biographie), dass am Hofe des Salzburger Erzbischofs «die Musik – gleichsam als Tafelfreude – der Küche unterstand».

Denn der Graf Arco (legendär durch seinen wenig vornehmen Tritt in Mozarts postérieur) war als Oberküchenmeister des Hauses auch für das musikalische Entertainment zuständig. Die Allianz von Gaumen und Ohr war bei diesen Festen ja unabdinglich und spiegelt sich gewissermaßen auch in Mozarts Küchenjargon, wenn er im Zusammenhang mit Anton Raaff, dem ersten Idomeneo, und dessen Koloraturfertigkeit von «g’schnittnen Nudeln» spricht.

Mit «Idomeneo» hatte Graf Arco freilich nur insoweit zu tun, als seine rüde Intervention am Komponisten in historischer Nachbarschaft zur Uraufführung stand (am 29. Januar 1781 in München, der Tritt erfolgte am 9. Juni in Wien). Aber der Erfolg dieser Oper hatte zweifellos Mozarts Reputation und sein Ego gestärkt und damit die Entfremdung des Komponisten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2025
Rubrik: Medien, Seite 33
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Eine Verheißung

Puccinis Oper «Manon Lescaut» erzählt die Geschichte einer Frau, die auf Geheiß des Vaters von ihrem Bruder in ein Kloster gebracht werden soll. Mit einer Postkutsche. Auf dem Marktplatz von Amiens machen sie halt, zwei Herren sind nun hinter Manon her, der schockverliebte Student Des Grieux und der Machtmensch Geronte. Es geht nicht gut aus. Will man das heute so...

Im lyrischen Gewand

Ein riesiger rosa Elefant stolziert vor unserem inneren Ohr durch die Oper von Oslo. Das Tier trägt den Namen «Richard Wagner». Das Geheimnis hinter der Erscheinung hat zunächst mit Antonín Dvořáks Märchenoper «Rusalka» zu tun, deren wunderbare Musik in sanft romantischem Glühen von der Sehnsucht spricht. Es hat aber auch mit dem Chefdirigenten des Hauses zu tun:...

Menschenfischen an der Alster

In Hamburg, so darf man wohl sagen, hat der ambitionierteste Wiederbelebungsversuch der jüngeren Operngeschichte begonnen. Zu retten ist ein Haus, das zuletzt in Lethargie versank, das selbst bei einer Strauss-Oper wie «Ariadne auf Naxos» schwach besuchte Vorstellungen zu beklagen hatte (da mochten noch so bekannte Namen wie Kent Nagano, Dmitri Tcherniakov und Anja...