Fulminant
Intellektuelles Lumpenproletariat, verloren in der Großstadtwüste. Gestrandete, die der unwahrscheinlichen Hoffnung nachhängen, dank ihrer Talente überleben zu können. Man verdingt sich mit Gelegenheitsjobs, wischt Spießbürgern eins aus, konsumiert illegale Drogen und nagt in schlecht geheizten Dachstuben am Hungertuch. Alles wie gehabt. Am harten Los des Künstlerdaseins, wie es Henri Murger in seinen «Scènes de la vie de bohème» schilderte, hat sich wenig geändert seit jenen Tagen, als Moderne und Industrialisierung in Paris Einzug hielten.
Der Stoff ist aktuell geblieben, man kann ihn auch heute noch mit ein paar marginalen Eingriffen inszenieren, ohne seinen voyeuristischen Reiz zu schmälern. Wenn überhaupt, kosten aktualisierende Eingriffe seitens der Regie nicht selten das tränenreiche Potenzial des Sujets aus, das der Firma Illica/Giacosa/Puccini dereinst so großes Theaterglück bescherte. Nicht so bei Graham Vick: Der britische Opernregisseur hat den Plot nun auf seine knallharte Wahrheit verdichtet, dem Original seine ursprüngliche Wucht zurückgegeben und es gnadenlos zugespitzt, ohne es dabei unzulässig zu reduzieren. Chapeau!
Diese Produktion hat viele Meriten, nicht ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Carlo Vitali
Es gibt ein Genre des Musiktheaters, das lange als undramatisch und papieren galt. «Konversationsstück für Musik» hat es Richard Strauss treffend im Untertitel von «Capriccio» genannt, mit anderen Worten: Hier transportiert Musik nicht primär überwältigende Emotionen und grandiose Theatereffekte – sie dient vielmehr dem Diskurs. Bei der Premiere von «Capriccio» im...
JUBILARE
Rachel Yakar kam in Lyon zur Welt. Nach einer Ausbildung zur Kostüm- und Modezeichnerin studierte sie am Conservatoire de Paris, wo sie drei Erste Preise gewann, später nahm sie Gesangsunterricht bei Germaine Lubin und Francesco Carrino. 1963 debütierte die Sopranistin als Frasquita in Bizets «Carmen» an der Opéra national du Rhin in Strasbourg. Ab 1964...
Schwarzes Dunkel. Tödliche Stille, nur durchbrochen von katarrhalischem Ventilatorenatem. Und dann, wie aus dem Nichts, dieses knappe, punktierte Motiv, die Solobratsche spielt es. So leise, dass man es kaum vernimmt. Und so bruchstückhaft, dass es zur Melodie sich partout nicht fügen will. Wie eine Floskel, die nach mehr sucht, es aber nicht findet, klingt diese...
