Fülle und Farbe
Neben Händels Opern haben mittlerweile auch etliche seiner Oratorien den Weg auf die Bühnen der Welt gefunden. Selbst ein so dezidiert undramatisch angelegtes Werk wie «Messiah» wurde bereits verschiedentlich szenisch realisiert. Händels Oratorium über den alttestamentlichen König Saul hingegen, der dem Wahnsinn verfällt und, von Gott verlassen, in der Schlacht umkommt, ist tatsächlich über weite Strecken als musikalisches Drama konzipiert; in der Partitur finden sich sogar explizite Szenenanweisungen.
Für seine erste Inszenierung in Glyndebourne, die im letzten Sommer zu den gefeierten Höhepunkten des Festivals zählte, hat Barrie Kosky «Saul» als eine an Shakespeares «King Lear» angelehnte Verfallsgeschichte des Titelhelden interpretiert. In Christopher Purves stand ihm ein grandioser Darsteller zur Verfügung, der Sauls geistigen Niedergang mit physischer Wucht glaubhaft machte. Dass dabei ein paar Koloraturen aus der Bahn gerieten, ist angesichts einer solch phänomenalen Darstellerleistung leicht zu überhören.
Auch Sauls Gegenfigur ist zwingend charakterisiert: Der Kampf mit dem Riesen Goliath, dessen abgeschlagenes Haupt den ganzen ersten Akt über Mittelpunkt des Geschehens ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 40
von Thomas Seedorf
Was für ein Finale! Zum Ausklang der Spielzeit setzte das Teatro Real einen bemerkenswerten Schlusspunkt, mit einem gänzlich «unspanischen» Stück: Bellinis «Puritani». Es war weniger die Inszenierung Emilio Sagis, eines studierten Anglisten, die den Erfolg begründete – die Regie blendet die politisch-historische Dimension aus, interessiert sich allein für die...
«Wagners Leben ist so oft erzählt worden, dass es nicht mehr erzählbar ist.» Das ist kein Stoßseufzer aus dem Jubiläumsjahr 2013, in dem zu Richard Wagners 200. Geburtstag erwartungsgemäß eine erhebliche Welle an (auch unerheblicher) Literatur über uns hereinbrach. Nein, Carl Dahlhaus urteilte so vor 45 Jahren in der Einleitung zu seinem Band über die Musikdramen....
An frischer Luft den Atem leicht zu heben. Ob in den sogenannten «Schanigärten» (nach dem alten Wiener Dienernamen Jean), die alljährlich zur Sommerzeit aus den Gehsteigen vor Wiens Restaurants wachsen wie Pilze nach dem Regen. Ob in den diversen Freiluftbühnen um Wien, wobei die Gast- und die Kunststätten einander kulinarisch durchaus verwandt sind. Man muss das...
