Fülle und Farbe

Händel auf DVD: Barrie Koskys «Saul» aus Glyndebourne und Katie Mitchells «Alcina» aus Aix-en-Provence

Opernwelt - Logo

Neben Händels Opern haben mittlerweile auch etliche seiner Oratorien den Weg auf die Bühnen der Welt gefunden. Selbst ein so ­dezidiert undramatisch angelegtes Werk wie «Messiah» wurde bereits verschiedentlich szenisch realisiert. Händels Oratorium über den alttestamentlichen König Saul hingegen, der dem Wahnsinn verfällt und, von Gott verlassen, in der Schlacht umkommt, ist tatsächlich über weite Strecken als musikalisches Drama konzipiert; in der Partitur finden sich sogar explizite Szenenanweisungen.

Für seine erste Inszenierung in Glyndebourne, die im letzten Sommer zu den gefeierten Höhepunkten des Festivals zählte, hat Barrie Kosky «Saul» als eine an Shakespeares «King Lear» angelehnte Verfallsgeschichte des Titelhelden interpretiert. In Christopher Purves stand ihm ein grandioser Darsteller zur Verfügung, der Sauls geistigen Niedergang mit physischer Wucht glaubhaft machte. Dass dabei ein paar Koloraturen aus der Bahn gerieten, ist angesichts einer solch phänomenalen Darstellerleistung leicht zu überhören.

Auch Sauls Gegenfigur ist zwingend charakterisiert: Der Kampf mit dem Riesen Goliath, dessen abgeschlagenes Haupt den ganzen ersten Akt über Mittelpunkt des Geschehens ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 40
von Thomas Seedorf

Weitere Beiträge
So will es der Prophet

«Von Reformen, ganz enormen, träumen wir am Bosporus»: Nein, das ist nicht das neueste Schmähgedicht von Jan Böhmermann auf Recep Tayyip Erdogan, sondern die Forderung aus einem Istanbuler Damensalon des Jahres 1916. Obwohl die türkische Oberschicht in Leo Falls «Die Rose von Stambul» längst westlich denkt und empfindet, bedient man in Sachen Geschlechterverhältnis...

Infos

JUBILARE


In seiner Heimatstadt Bogotá, Kolumbien, studierte Alejandro Ramirez Medizin, Musik und Gesang. Nach der Promotion zum Dr. med. kam der Tenor nach Deutschland, wo er seine Gesangsausbildung an der Hochschule für Musik Freiburg weiterführte. Zwischen 1975 und 1985 war er Ensemblemitglied verschiedener deutscher Opernhäuser. Gastengagements führten ihn u. a....

Learning by Doing

Der Lärmpegel in der Salzburger Universitätsaula ist hoch. Und er klingt heller als bei einer normalen Premiere. Damit auch die Kleinsten die Bühne sehen, werden Sitzkissen verteilt. Zwei Techniker schrauben noch am Bühnenbild, da legt das Orchester schon mit barocken Tänzen los. Und plötzlich singen die Handwerker mit, der eine nennt sich Franz Flaut, der...