Fülle und Farbe
Neben Händels Opern haben mittlerweile auch etliche seiner Oratorien den Weg auf die Bühnen der Welt gefunden. Selbst ein so dezidiert undramatisch angelegtes Werk wie «Messiah» wurde bereits verschiedentlich szenisch realisiert. Händels Oratorium über den alttestamentlichen König Saul hingegen, der dem Wahnsinn verfällt und, von Gott verlassen, in der Schlacht umkommt, ist tatsächlich über weite Strecken als musikalisches Drama konzipiert; in der Partitur finden sich sogar explizite Szenenanweisungen.
Für seine erste Inszenierung in Glyndebourne, die im letzten Sommer zu den gefeierten Höhepunkten des Festivals zählte, hat Barrie Kosky «Saul» als eine an Shakespeares «King Lear» angelehnte Verfallsgeschichte des Titelhelden interpretiert. In Christopher Purves stand ihm ein grandioser Darsteller zur Verfügung, der Sauls geistigen Niedergang mit physischer Wucht glaubhaft machte. Dass dabei ein paar Koloraturen aus der Bahn gerieten, ist angesichts einer solch phänomenalen Darstellerleistung leicht zu überhören.
Auch Sauls Gegenfigur ist zwingend charakterisiert: Der Kampf mit dem Riesen Goliath, dessen abgeschlagenes Haupt den ganzen ersten Akt über Mittelpunkt des Geschehens ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 40
von Thomas Seedorf
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Bellinis «I puritani» spielen im England des 17. Jahrhunderts, wo Puritaner und Katholiken sich unversöhnlich im Bürgerkrieg gegenüber stehen. Elvira, die Tochter des puritanischen Gouverneurs, ist überglücklich, als sie erfährt, dass sie nicht Riccardo heiraten muss, sondern ihren Märchenprinzen kriegt, den katholischen Lord Arturo. Doch das schnelle Happy End...
